Weben mit gekreuzten Kettfäden – crossed warp weave – Kursankündigung

Diese Technik der Musterbildung ist in Europa nahezu unbekannt. Hier kreuzt man zwar auch Kettfäden, z.B. am Webstuhl, um eine Dreherbindung zu bekommen, das Ergebnis ist aber mehr Struktur als Muster. In Peru und Bolivien webt man ohne besondere Hilfsmittel mit dieser Technik Bänder für verschiedene Zwecke. Es ist eine der ersten Webtechniken, die Kinder dort erlernen.

Am 18. und 19 Januar 2025 möchte ich diese Technik in einem Webkurs im Museum „Die Weberei“ in Oederan vermitteln. Hier kann das Anmeldeformular und Kursprogramm heruntergeladen werden. Außerdem werde ich am 1. März 2025 diesen Kurs noch einmal in der Webschule Großschönau (hier) halten. Neben der Vermittlung der Technik gibt es im Kurs auch eine umfangreiche deutschsprachige Anleitung für die Teilnehmer.

Das sehr schöne Anleitungsbuch von Marieke Kranenburg aus den Niederlanden, das es bei Etsy auf Niederländisch und Englisch gibt, hat mich ein bißchen zum Spielen mit dieser Webtechnik gebracht. Die Muster, die in diesem Buch vorgestellt wurden, haben mich sehr an „Pebble Weave“, also an Komplementärmuster, erinnert. Voraussetzung zum Umsetzen dieser Muster in die Technik mit gekreuzten Kettfäden ist, daß die Muster an der Horizontalen gespiegelt sind.

Da ich in einem Post die Muster aus Q’ero beschrieben hatte, kam ich auf den Gedanken, diese streng symmetrischen Muster als crossed-warp zu weben. Komplementär sind sie dann nur noch in der Richtung der Kettfadenkreuzungen, was zu interessanten Effekten auf der Unterseite führt.

Das Band oben zeigt, für die Technik der gekreuzten Kettfäden stark vereinfacht, die Q’ero-Motive für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Das Motiv für die Sonne am Mittag, was aus einer Hälfte Sonnenaufgang und einer Sonnenuntergang besteht, kann man mit der Technik der gekreuzten Kettfäden so nicht weben.

Aber ein ähnliches Muster, welches auch die Sonne am Mittag zeigt, geht, das Hatun-Inti-Motiv aus der Palma y Ramos Technik. Dieses enthält im Original horizontale Linien, die mit gekreuzten Kettfäden nicht möglich sind. Also wird das Muster vereinfacht und auf die geringere Kettfadenzahl angepaßt.

Um so ein komplexes Muster zu weben, muß man Reihen auf Stäbchen ablegen, in diesem Fall zehn Stück. Man braucht also Platz, bis ans Ende einer Kette schafft man es mit diesen Mustern nicht.

Das Band oben ist aus handgesponnener Wolle und mit Pflanzen sowie Cochenille gefärbt. Trotz der festen Verzwirnung mußte ich beim Weben sehr aufpassen, um nicht die Kettfäden zu ruinieren. Wenn man die Verflechtungen von den Stäbchen in Richtung der Weblinie bekommen möchte, nimmt man bei Wolle am besten jedes obenliegende Fadenpaar einzeln in beide Hände und zieht es nach oben, auseinander und zu sich hin. Damit verhaken sich die miteinander verdrehten Kettfäden beim Öffnen des Fachs nicht so. Bei glatter Baumwolle reicht es, das Stäbchen langsam zur Weblinie zu ziehen.

Bei den hier gezeigten Bändern wurden die Fäden in Vierergruppen (zwei Fadenpaare) miteinander verflochten. Es gibt aber noch eine Technik für das Verflechten von jeweils sechs Fäden, die Adele Cahlander 1978 in ihrem Artikel „Bolivian Tubular Edging and Crossed Warp Techniques“ als Einfassung für größere Webstücke, ähnlich einem ñawi awapa, aber als flaches Band, beschrieben hat. Diese möchte ich in einem nächsten Post beschreiben und eine Anleitung dafür geben.

Neugierig geworden? Hier sind noch ein paar Sachen zum Weiterlesen und Anschauen:

(1) Adele Cahlander, Marjorie Cason, Ann Houston: Bolivian Tubular Edging and Crossed-Warp Techniques; The Weavers Journal, Boulder, Colorado; 1978

(2) Marijke van Epen: Bandjes in kettingkruisen in Handwerk zonder Grenzen Nr. 2; 1995

(3) Marieke Kranenburg: Crossed warp technique on the inkle loom; PDF auf Etsy; August 2022

(4) Denise Y. Arnold, Elvira Espejo: The Andean Science of Weaving Structures and Techniques of Warp-faced Weaves; Thames & Hudson, London 2015

(5) https://www.fascinatingbraids.com/crossedwarp.html mit Anleitung (englisch) und Video

(6) https://www.bandweefblog.nl/2022/vinkje/  mit Link zum Etsy-Shop für (3)

Ketzerische Gedanken

Einiges hat sich geändert und ist nicht so gelaufen wie geplant. Die Vorbereitungen für den Museumstag im Mai und das Weberforum Mitte Juni waren für die Katz, da die Politik entschieden hat, daß Menschen sich nicht oder nur eingeschränkt treffen dürfen.

Zum Weberforum wollte ich das Weben mit unterbrochenen Kettfäden (tiklla) zeigen, so ist es nur bei einem Probestück mit dem neuen Baumwollgarn Nm10 geblieben.

Tiklla BW Probe

 

Der Kurs zum Brettchenweben in Oederan, an dem ich Ende März teilnehmen wollte, ist wegen zu wenig Interessenten ausgefallen, also habe ich selbst etwas herumprobiert.

Brettchenbänder

 

Vielleicht wird es nächstes Jahr besser, Ende Januar möchte ich im Museum Oederan einen Kurs zur Broschiertechnik auf Kettripsbändern halten. Diese Mustertechnik ist sehr einfach, man kann zum Anfang viele der zahllosen im Internet kursierenden Kreuzstichvorlagen verwenden. Das grüne Band im Bild unten ist kein reiner Kettrips, da sich das Blumenmuster sonst zu sehr in die Länge gezogen hätte.

 

Den Kurs werde ich allerdings nur halten, wenn die aktuellen Repressalien bis dahin abgeschafft sind und ich mit unverhülltem Gesicht vor die Teilnehmer treten kann.

Die derzeitige Politik und das Verhalten vieler Mitmenschen kommen mir vor, als hätte man aus dem Hexenwahn der Frühen Neuzeit nicht wirklich was gelernt. Damals wurden, bedingt durch krisenhafte Situationen, aus überschießender Angst und Panik  heraus mit Hilfe der weltlichen Macht und gestützt auf den Stand der damaligen Wissenschaft physische Existenzen von Menschen vernichtet, heute sind es  “nur” materielle. Als man den Irrtum in späterer Zeit erkannte, war bereits ein nicht wiedergutzumachender Schaden angerichtet. Allerdings hatten auch einige Personen die Umstände genutzt, um ihre Schäfchen ins Trockne zu bringen. Meiner Meinung nach lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken…

Hexen 1451

Webkurs Baltische Bänder

Blumen und Flechtmuster Kopie

Wie ich vor einiger Zeit in diesem Post schon angekündigt hatte, findet Ende Januar im Museum Oederan ein Kurs zum Weben in der Baltischen Technik statt. Damit das Ganze am Anfang nicht so schwierig ist, beginnen wir mit nur wenigen Musterfäden und weben ein Band mit Mustern aus dem früheren Ostpreussen. Die Kursteilnehmer erhalten Mustervorlagen, aus denen sie ihr erstes Webmuster auswählen können.

Flyer Baltische Bänder

Da der Kurs über zwei Tage geht, ist genügend Zeit, auch über andere Ausführungen dieser Technik zu sprechen, zum Beispiel, wie man die Muster auf dem Inkle Loom webt oder bei breiteren Geweben mit Schnurlitzen oder Schäften auf dem Webstuhl arbeitet.

Anmelden kann man sich im Museum „Die Weberei“ in Oederan mit diesem Formular: Anmeldung Kurse 2020

Einen Übersicht über die weiteren vom Museum angebotenen Kurse gibt es hier:       Kurse 2020

Ein Besuch im Museum in Oederan lohnt sich auf jeden Fall auch einfach mal so, vor allem mit Kindern, für die es auch spezielle Angebote gibt. Viele der ausgestellten Webstühle sind voll funktionsfähig und nach Absprache und einem kleinen Obolus können einige bei entsprechenden Vorkenntnissen auch für eigene Projekte genutzt werden.

Wenn man mit der Baltischen Technik nicht nur Bänder und Gürtel weben möchte, kann man sie auch gut in breitere Webstücke integrieren. Ich webe damit gerade einen Schal aus Alpakawolle mit einem Motiv aus den Anden, es heißt „Ch’aska“, Quechua für Venus bzw. den Morgen- oder Abendstern.

Schal blau

Für den Schal habe ich gekaufte Alpaka-Strickwolle (blau, 400m/100g) stark nachgezwirnt, da sich sonst die weiche Strickwolle beim Weben von Kettrips  auflöst. Die Farbtöne für den Musterbereich sind natürliche Farben der Alpakas und in der Stärke passend zur blauen Wolle handgesponnen. Der Schußfaden ist aus weicher Wolle zum Stricken, damit der Schal sich nach dem Weben nicht so stark verzieht und das Gewebe außerdem nicht bretthart wird. Ravelry-Nutzer können hier noch einige Details zum Projekt erfahren.

Das Weben von Alpakawolle auf dem backstrap loom ist nicht ganz einfach, da die Wolle haarig ist und die Kettfäden durch die hohe Fadendichte aneinander hängen bleiben. Deswegen habe ich -im Gegensatz zu einem reinen Kettrips- die Fäden beim Anweben mit Hilfe der Kreuzstäbe ein wenig auf Abstand gesetzt, beim genauen Hinsehen scheint der Schußfaden in den blauen Bereichen etwas durch. In der englischsprachigen Literatur bezeichnet man das als „warp-predominant“. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob das bei traditionellen Kettrips-Textilien aus den Anden ein Zeichen minderer Qualität ist oder nicht. Es erleichtert auf jeden Fall den Fachwechsel sehr und wird von den Webern in Peru auch für Webstücke zum Eigengebrauch angewendet, nicht nur für schnell und billig hergestellte Sachen zum Verkauf an Touristen. Die weniger dichte Lage der Kettfäden mindert die Steifigkeit des Gewebes, die zwar bei einer Tasche oder einem Tragetuch durchaus erwünscht sein kann, bei einem Schal aber nicht. Meiner Meinung nach kommt es darauf an, wofür das Webstück später verwendet werden soll.