Versetzte Kettfäden – transposed warps – urdimbres transpuestas

Kettfäden beim Weben versetzen, welcher Weber denkt da nicht sofort an Dreherbindungen (1) ? Die gibt es im vorspanischen Südamerika auch, aber hier soll eine andere Art der Musterbildung mit Versatz von Kettfäden beschrieben werden. 

Archäologische Funde sind rar, die Technik wurde in einem begrenzten Gebiet im Süden Perus, dem Norden von Chile und Argentinien sowie im südwestlichen Hochland von Bolivien angewendet (3). In der heutigen Zeit wird diese Mustertechnik kaum noch ausgeübt, in Chile bemüht man sich gerade, sie wiederzubeleben. Dazu wurde auf Instagram von Marión Lira (@liratextil.cl ; liratextil.com) ein Kurs angekündigt, an dem ich gerne teilgenommen hätte, wäre das nicht wegen der Zeitverschiebung nachts um zwei gewesen. Neugierig war ich aber, es gab ein Bild von einem Band und ich wußte von der Bandwebtechnik mit gekreuzten Kettfäden, wie man dort einen Farbwechsel durch Versatz von Kettfäden macht. Einige schlaflose Nächte und ein paar Stunden probieren später hatte ich es heraus, wie das Band auf dem Bild zu weben geht. 


Für das Band werden – jeweils in Runden – vier helle und vier dunkle Fadenpaare auf Kreuzstäben eingezogen. Ob man das auf einem Bandwebstuhl macht oder als backstrap-Anordnung, ist egal, die Kreuzstäbe bleiben aber zur Orientierung beim Weben dauerhaft in der Kette. Litzen zur Fachbildung braucht man bei den wenigen Fäden keine, sie erschweren nur die Übersicht, im Bild unten hatte ich sie versuchsweise drangemacht. 


An den Kreuzstäben zeigt Fach 1 zum Weber hin, Fach 2 liegt hinter den Kreuzstäben. 

Um das Band zu beginnen, webt man erstmal einige Schüsse Leinenbindung, Fach 2 wird dazu mit der Hand aufgenommen. Man beendet die Leinenbindung mit Fach 1, Reihe 1. Nun geht das Muster los.

Reihe 1 – Fach 1

Reihe 2 – Kettfäden versetzen, die weißen Fäden liegen oben, die roten gehen in der Mitte durch

Reihenfolge nach Versatz: 2 ws, 2 rt, 4 ws, 4 rt, 4 ws, 2 rt, 2 ws

nach oben genommen werden die Fäden für Fach 2, versetzt werden aber die ganzen Kettfadenpaare! damit das Muster auch auf der Unterseite erscheint

je 2 Paare weiße Fäden bilden den Rand, diese werden nicht versetzt

Reihe 3 – Fach 1

Reihe 4 – Fach 2

Beginnen wieder bei Reihe 1


Hier ein Bild mit dem Blick in das geöffnete Fach und mit Lage und Richtung der zu versetzenden Fäden:


Der Fadenlauf für einen Mustersatz sieht so aus:

Am Anfang ist es schwierig, bei Reihe 2 die ganzen Fäden auf der Hand in der richtigen Reihenfolge zu halten und bei den versetzten Fadenpaaren den richtigen aus Fach 2 zu erkennen. Hier hilft es, wenn man sich am Schußfaden an der Weblinie statt an den Kreuzstäben orientiert, dort ist leichter zu sehen, welcher Faden des Paares zu Fach 1 oder Fach 2 gehört. 

Wenn man so gar nicht klarkommt, kann man die Fäden auf einem Rahmen befestigen und beginnt das Weben an der Seite des Bandes mit den Knoten. Hier braucht man auch kein Fadenkreuz, sondern ordnet die Schlaufen der Kettfadenpaare auf dem oberen Kettbaum in der richtigen Reihenfolge an und versetzt diese, wie das Muster es erfordert. 


Manche Sachen, wie dieses Band hier, kann man nur auf einem Rahmen ohne Fadenkreuz weben, da die Diagonalen in eine Richtung laufen und das Fadenkreuz immer mehr verdrehen würden. 

Die folgenden Bilder zeigen was passiert, wenn man dieses Muster versucht mit Kreuzstäben zu weben:

Auf dem Rahmen versetzt man für das Muster die Kettfadenschlaufen am oberen Kettbaum und nimmt das Fach 2 dort von unten auf:


Als ich mit den ersten Bändern fertig war, gefiel mir die Technik mit dem Kettfadenversatz und ich fing an, nach mehr davon zu suchen. Im Buch über die Webtechniken der Anden (2) sind dazu zahlreiche Abbildungen von gewebten Beispielen und archäologischen Funden. Im Buch von Ann P. Rowe (4) ist der Fadenlauf für das oben gezeigte blau-weiße Band abgebildet, was mir sehr beim Verständnis der südamerikanischen Variante des Kettfadenversatzes geholfen hat. Also ging es los mit einem Ausschnitt aus einem Inka-Textil (Textile Museum TM 1961.30.210) , bei dem ein Bereich, der eigentlich für Komplementärmuster gedacht ist, versetzt und wieder zusammengeführt wird. 

Das kann man mit Kreuzstäben in der Kette gut machen, weil der Versatz duch die Struktur des Musters – auf-und zugehende Diagonalen in einem Rhombus – nach einigen Reihen rückgängig gemacht wird. In (3) ist eine interessante Interpretation dazu, dieses Muster soll Bezüge zur Wari-Tiwanaku-Zeit haben und möglicherweise das von einer wichtigen Gottheit getragene Schlangenattribut symbolisieren. Ein paar Schlangenmuster habe ich als Komplementärgewebe zwischen die Bereiche mit den versetzten Kettfäden gewebt.

Doch halt, Schlangen sollen das sein? Nach (5) heißt dieses Muster „kuti“ und soll die Kartoffelhacke darstellen. Daran habe ich große Zweifel und zwar aus folgendem Grund: Ende des 18. Jahrhunderts, in den 1780er Jahren, wurden nach Aufständen der einheimischen Bevölkerung gegen die Kolonialherren in dem von den Spaniern besetzten Vizekönigreich Peru indigene Kleidung und nichtchristliche Symbolik verboten. Ganz hat man das nicht durchsetzen können, in ländlichen Gebieten behielten die Frauen z.B. ihr Tragetuch bei und webten dort überlieferte Muster hinein. Ich denke, es kam zu einer Art codierten Sprache, bei der man den Vertretern der Kolonialherren erzählte, daß das Muster mit der zweiköpfigen Schlange ein landwirtschaftliches Gerät darstellt. Vielleicht ist es auch ein Wortspiel mit dem Quechua-Wort „kutiy“, das bedeutet Rückkehr oder Wiederkehr. Der alten Götter möglicherweise oder ist die Schlange die Wiederkehr von irgendetwas? Das ist aber lediglich meine persönliche Meinung zu dieser Sache. Es wäre sicher ein interessantes Forschungsgebiet, ob die heutigen Weberinnen in Peru die wirkliche Bedeutung dieser Motive tatsächlich nicht mehr kennen oder ob sie Menschen außerhalb ihres kulturellen Umfeldes, auch Forschern, durch ihre schlechten Erfahrungen mit Rassismus und kultureller Unterdrückung in dieser Richtung einen Bären aufbinden. 

In den Artikeln zu versetzten Kettfäden in (2) und (3) ist ein wirklich schönes Band aus der Zeit des Mittleren Horizonts (ca. 400 bis 1000 n. Chr.) abgebildet, das in Bolivien in einer Höhle bei Mojocoya gefunden wurde und als Henkel einer Tasche gedient haben mag. Mich erinnerte das Motiv irgendwie an die „Fajas de Sara“ aus Peru, die aber in einer ganz anderen Technik gewebt werden. Und wirklich, in (3) wird dieses Muster mit Bezug auf Aussagen zeitgenössischer Weberinnen aus Bolivien so interpretiert, daß es etwas mit Aussaat und Saatgut zu tun hat, ähnlich wie die fajas de sara. Vielleicht ist das das größte Rätsel von Bruder Murúa, wie diese beiden Sachen zusammengehören. 

Band aus Mojocoya, Bild abfotografiert aus (2)


Das schöne vielfarbige Muster weckte meinen kleinen inneren Bluthund – werde ich einen Webbrief nur aus der Abbildung in (2) machen können und dieses Muster weben? Es war nicht einfach und hat einige Stunden gedauert, bis ich eine Darstellungsart gefunden hatte, nach der man das weben kann. Eine Reihe im Webbrief entspricht zwei gewebten Reihen auf dem Band, die Rückreihe muß nicht eingelesen werden, da hier nur der Schußfaden in das Fach von den Kreuzstäben oder beim Weben auf einem Rahmen in das Fach am oberen Kettbaum eingelegt wird. 

Der Webbrief zeigt lediglich die Lage der Kettfadenpaare in jeder Musterreihe, aber nicht, welches Fadenpaar man versetzen muß und ob das im Fach oder auf dem Gewebe geschieht. Ein Foto von einem fertigen Gewebe oder noch besser, ein Beispielstück, sollte man zum Weben mit dabei haben. Dazu möchte ich noch einmal auf das Bild oben mit dem Blick ins geöffnete Fach verweisen, bei dem gezeigt wird, wie die Fadenpaare zu versetzen sind, wenn sie unsichtbar im Fach oder sichtbar auf der Oberseite des Gewebes verlaufen sollen. 

Beim Versatz der Kettfäden in einem solchen komplexen Muster versucht man immer, den kürzesten Weg für das zu versetzende Fadenpaar zu wählen und beachtet auch, welche Linienführung auf der Oberfläche stattfindet. In diesem Beispiel hier sind es die hellen und dunklen Zickzacklinien, die nicht von Einzelfäden auf der Oberfläche gekreuzt und unterbrochen werden. Fadenversätze, die diese Hauptlinien kreuzen, verlaufen immer unsichtbar im Fach. 

Da das Ganze am Anfang kompliziert aussah, habe ich die Kette auf einen Rahmen aufgezogen, wo ich nichts auf der Hand halten mußte, sondern nur die Kettfadenschlaufen auf dem oberen Kettbaum umsortiern muß. Mit dem Rahmen ist das sehr einfach, vor allem,  wenn Fäden im Fach verlaufen sollen. Nach dem Umsortieren habe ich von der  Kette die Fäden aus Fach 2 von Hand aufgenommen, die ja nun in der richtigen Reihenfolge liegen. In dieses Musterfach wird der Schußfaden eingelegt, danach das Fach 1 vom Kettbaum aufgenommen, angeschlagen und wieder der Schußfaden eingelegt. Der Ablauf des Webens auf dem Rahmen ist folgender:

– Kette auf dem oberen Kettbaum gemäß der Reihe im Webbrief sortieren

– Fach 2 von diesem Kettverlauf aufnehmen – geht am besten direkt unterhalb des Kettbaumes

– aufgenommenes Fach zur Weblinie ziehen und anschlagen, Schußfaden einlegen

– Fach 1 am Kettbaum aufnehmen und zur Weblinie ziehen, anschlagen, Schußfaden einlegen

– mit der nächsten Reihe sortieren beginnen usw.


Das Probestück war fertig, das Muster sah so aus wie auf der Abbildung im Buch, aber eins mußte ich noch ausprobieren: wenn das bei Ausgrabungen gefundene Band wirklich der Henkel einer Tasche war, muß es länger gewesen sein, als es sich auf einem Rahmen noch gut weben läßt. Die Taschen jener Zeit waren zum Umhängen gedacht, da braucht man mindestens ein Band von 1,5 m Länge, auch wenn die Menschen damals kleiner waren als heute. Bei einer Kette von 1,7 m Anfangslänge artet das in Sport aus, wenn man bei einem so großen Rahmen anfänglich  für jede Reihe aufstehen und weit hochlangen muß. Durch die vorigen Experimente hatte ich gelernt, daß sich bei Zickzacklinien das entstehende Fadenchaos an den Kreuzstäben auch wieder auflöst, zudem ist das Muster modular aufgebaut, so daß man immer nur die Fäden eines Musterstreifens beim Versetzen auf der Hand halten muß. Also eine Kette mit zwei gegenläufigen Zickzacklinien eingezogen und die Sache ausprobiert. Am Anfang war das ein ganz schöner Kampf mit den Fäden, unterhalb der  Kreuzstäbe wurde das Durcheinander immer größer und die Übersicht ging verloren. Nach einer Pause und Nachdenken hatte ich dann heraus, wie es geht: man muß sich direkt an der Weblinie orientieren, dort die Fadenpaare versetzen und das Fach 2 aufnehmen. Fehler passieren hier öfter, als wenn man mit Rahmen webt, aber aus diesen lernt man auch, worauf man achten muß und wie man die Fäden richtig hält. Trotz des entstehenden Durcheinanders an den Kreuzstäben kann man das dort durch den Einzug festgelegte Fach 1 als Rückreihe verwenden, da für das Muster die ganzen Fadenpaare versetzt werden und dabei keine Verdrehungen von Fach 1 und 2 untereinander entstehen. Dafür muß man manchmal die Kreuzstäbe etwas von sich weg schieben, um das Fach aufnehmen zu können. Bis jetzt habe ich mit versetzten Kettfäden nur mit glattem und relativ starken Baumwollgarn gewebt, bei dem die Fäden nicht aneinander hängen bleiben. Daß die Weberinnen in alter Zeit dieses mit dünnen Wollfäden konnten, davor habe ich großen Respekt. 


Das Weben auf dem Rahmen ging für ein breites Band mit Muster besser als wenn man die versetzten Fäden auf der Hand halten muß und so kam mir der Gedanke, das mit einem größeren Flechtmuster zu wiederholen. Hier zeigte sich, daß sich die versetzten Kettfäden beim Weben mehr verkürzen, als die Randfäden, die an ihrer Position bleiben. 


Die Randfäden wurden deshalb mit zwei Stäbchen nachgespannt. Das Flechtmuster habe ich so weit gewebt, wie es auf dem Rahmen ging und das Band danach auf dem backstrap-loom mit vier festen Seiten fertiggestellt. Mit dem starken Baumwollgarn ging das recht schnell und die etwas weniger gespannten Randfäden ließen sich in den Endschlaufen verstecken. 


Der Musterentwurf für diese Technik ist nicht ganz ohne, da man ständig alle vorhanden Fäden in einer Musterreihe verwenden muß und durch die paarige Anordnung der Fäden die Rückseite gleich ist. Man kann also nicht mal eine Farbe auf der Rückseite verschwinden lassen. Gut sieht man das an den kleinen Spitzen im Band aus Mojocoya, die das eigentlich regelmäßige Rhombenmuster unterbrechen. Die Rhomben haben nicht überall die selbe Breite und man mußte die überzähligen Fäden irgendwo unterbringen. Ich denke aber, daß das bei diesem Muster möglicherweise so gewollt ist, vor allem dann, wenn das Muster in seiner Bedeutung wirklich etwas mit den Sara-Mustern aus San Ignacio de Loyola in Peru gemeinsam hat. 

Für Neugierige sind hier noch die Quellen und etwas zum Weiterlesen:

(1) Annemarie Seiler-Baldinger: Systematik der Textilen Techniken, Baseler Beiträge zur Ethnologie, Basel 1991; S. 108-110

(2) Denise Y. Arnold, Elvira Espejo: The Andean Science of Weaving; Thames and Hudson, London 2015; S. 155 – 165

(3) Denise Y. Arnold, Elvira Espejo: Lazos Forestales: Técnicas y diseños de los tirantes de bolsas personales de Mojocoya; Universidad Mayor de San Simón Cochabamba, Arqueoantropológicas Año 3, 2013; S. 59-92

(4) Ann Pollard Rowe: Warp-patterned weaves of the Andes, The Textile Museum Washington D.C., 1977; S. 104-105

(5) Nilda Callañaupa Alvarez: Textile Tradition of Chinchero: A living Heritage, Centro de Textiles Tradicionales del Cusco 2012; S. 105

(6) Penelope Dransart: A highland textile tradition from the far south of Peru during the period of Inka domination, in: PreColumbian Textile Conference VIII / Jornadas de Textiles PreColombinos VIII, 2020

Intermesh in drei Farben

Hat das schon einmal jemand versucht? Sieht aus wie eine verrückte Idee! Und was ist eigentlich Intermesh?

Intermesh ist neben dem bekannteren  „pebble weave“ die zweite weit verbreitete komplementäre Mustertechnik im Andenraum und auch im Tiefland von Bolivien und Paraguay. In den Reihen mit Bindepunkten wechseln sich bei Intermesh helle und dunkle Fäden ab, die Muster entstehen durch Flottierungen einer Farbe über 3 Reihen, scharf abgegrenzte Diagonalen gibt es bei reinem Intermesh nicht. Bei pebble weave liegen in den Bindepunktreihen zwei helle und zwei dunkle Fäden nebeneinander, Diagonalen entstehen durch Flottierungen über 2 Reihen, Musterflächen duch Flottierungen über 3 Reihen. 

Intermesh – Grundgewebe dunkler und heller Hintergrund; Umzeichnung nach (6)

Eine sehr gute Beschreibung mit vielen Fotos, wie man zweifarbiges Intermesh webt, gibt es in (4). 

In der englischsprachigen Literatur findet man für diese zwei Webarten folgende Bezeichnungen, die sich auf die Struktur des Gewebes beziehen:

Pebble Weave: complementary warp weave with 3-span floats aligned in alternate pairs (diagonals of 2-span floats)

Intermesh: complementary warp weave with 3-span floats in alternating alignment

Laverne Waddingtons Blogbeitrag über die mit einer Sanduhrverschlingung nadelgebundenen Textilien der Ayoreo (hier), in dem sie beschreibt, wie sie ein Muster der Ayoreo mit der Intermesh-Technik zweifarbig webt, hat meine Neugier geweckt. Das von ihr verwendete Muster hat im Original drei Farben und brachte mich auf die Idee, ob dieses ebenfalls mit Intermesh möglich ist. 

Abbildung einer Tasche von der Website (5) mit einem Muster ähnlich dem von Laverne gewebten

Die Überlegung dabei war, wenn Komplementärgewebe mit der Zählweise 2/2 für die Bindepunkte dreifarbig einseitig und auch doppelseitig gewebt werden kann, warum sollte das mit Intermesh 1/1 nicht gehen. In Adele Cahlanders Büchern (1 und 2)  steht darüber nichts, also ausprobieren. Da war noch was: in einem Buch von Nilda Callañaupa (3) sind Bänder abgebildet, die auf den ersten Blick wie Intermesh aussehen und wo die Hintergrundfarben blockweise wechseln. Aber dazu später.

Webbrief für ein dreifarbiges Intermesh-Muster, nur die Musterreihen sind dargestellt (siehe auch hier)

Intermesh ist eine Technik, die ich zum Musterweben wegen der flattrigen Konturen nicht so mag. Für die Nachbildung der Ayoreo-Muster ist das aber genau das Richtige, weil dort durch die ineinander verschlungenen Knoten auch keine ganz geraden Farbabgrenzungen entstehen. 

Für das Experiment habe ich eine Kette mit 40 Musterfäden geschärt, Einzug und Fächer in Litzen sind auf dem Bild unten dargestellt. Die Farben sind separiert und haben jede einen Litzenstab. Die Mesh-Fächer 1 und 2 laufen über einen Kreuzstab und einen Litzenstab. 

Intermesh weben geht mit zwei Farben ziemlich schnell, da nur jede zweite Reihe eingelesen werden muß. Mesh 1, Musterreihe komplementär einlesen, Mesh 2, Musterreihe komplementär einlesen, Mesh 1 … usw.

Mit drei Farben wird es schon kniffliger. Bei den Musterreihen habe ich immer erst mit nur zwei Farben ein Fadenkreuz gebildet, eingelesen und dann mit dem gerade eingelesenen Fach und der dritten Farbe ein neues Fadenkreuz gebildet und die dritte Farbe eingelesen. Wenn man die Mesh-Reihen so webt, wie sie eingezogen sind und nur die Musterreihe dreifarbig einliest, ist das Muster nur auf einer Seite zu sehen, die Rückseite ist meliert. Diese Vorgehensweise ist dieselbe wie beim einseitigen dreifarbigen  „pebble weave“, Band 15 in (1). 


Pebble Weave kann man doppelseitig in drei Farben weben, sollte das bei Intermesh ebenfalls gehen? Mit Farbflächen geht es auf jeden Fall, ist aber sehr zeitaufwendig. Wie bei dreifarbigem doppelseitigen Pebble Weave braucht man einen zweiten Schußfaden. Bei komplexen Mustern und ständigem Farbwechsel in der Reihe wie z.B. ähnlich den Q’ero-Mustern, ist der Aufwand unverhältnismäßig hoch, hier ist ein richtiges Doppelgewebe die bessere Wahl.  

In diesem PDF habe ich meine „Gedächtnisstütze“ für das doppelseitige Dreifarbengewebe aufgeschrieben, das ist aber keine Anleitung, nur ein Merkzettel. Wer mit Doppelgewebe vertraut ist, wird ihn verstehen können. 

Nicht alles, was auf den ersten Blick wie Intermesh aussieht, ist wirklich diese Technik. Dieser Gürtel aus Guatemala z.B. ist völlig anders gewebt. 

Gürtel aus Guatemala, Totonicapán-Technik (7)


Auch Muster aus Peru, die in (3), Seite 125 abgebildet sind, scheinen bei flüchtigem Hinsehen eine Art Intermesh zu sein, sind aber eine Variante der in einem vorigen Post (hier) beschriebenen Technik der gestuften Diagonalen mit Farbwechsel im Block. Allerdings werden die Diagonalen nicht aus Fadenpaaren, sondern aus Einzelfäden gebildet.

dreifarbiges Muster aus Peru mit einzelnen gestuften Diagonalen
Webbrief zum Muster oben


Eine Beschreibung dieser Technik habe ich nicht finden können und es war noch ein Stück Kette von den Intermesh-Experimenten übrig. Mit Hilfe der drei Litzenstäbe für die Einzelfarben war schnell ein neues Fadenkreuz erstellt und ich konnte probieren, ob die dreifarbige Technik der gestuften Diagonalen in Paaren auch mit Einzelfäden funktioniert. Das geht sehr gut, das Probestück hat kleine Fehler im Muster, da ich die Bindepunkte bei langen Flottierungen ein bißchen „frei Schnauze“ beim Weben gesetzt habe. 

Freut mich, daß diese Experimente funktioniert haben, wieder was gelernt!

Und was ich in diesem Zusammenhang noch loswerden will:

Ich möchte mich ganz herzlich bei Laverne Waddington bedanken, daß sie mir durch ihre Bücher und ihren Blog die Grundlagen dieses Handwerks beigebracht hat. Durch diesen Unterricht habe ich nicht nur das nötige Handwerkszeug gelernt, sondern auch die Motivation bekommen, weiterzulernen und mich zu verbessern. Solche Lehrer, die Leidenschaft und Wissen so vermitteln, daß man Feuer fängt, schätze ich unendlich! 

Hier noch die Quellen und etwas zum Weiterlesen:

(1) A. Cahlander: The Art of Bolivian Highland weaving

(2) A. Cahlander: Double-woven Treasures from Old Peru

(3) Nilda Callañaupa Alvarez: Tradiciones Textiles de Chinchero, Herencia viva; Seite 125

(4) Laverne Waddington: More Adventures with Warp-Faced Pick-up Patterns; Patternfish 2016

(5) Screenshot von tienda.fapi.org.py/ ; Tienda de Artesanías del Pueblo Ayoreo Totobiegosode

(6) Ann P. Rowe: Warp-patterned weaves of the Andes

(7) Marijke van Epen: PATRONEN WERKSCHRIFT Teil 9 TOTONICAPÁN BANDEN

Weben mit gekreuzten Kettfäden – crossed warp weave – Kursankündigung

Diese Technik der Musterbildung ist in Europa nahezu unbekannt. Hier kreuzt man zwar auch Kettfäden, z.B. am Webstuhl, um eine Dreherbindung zu bekommen, das Ergebnis ist aber mehr Struktur als Muster. In Peru und Bolivien webt man ohne besondere Hilfsmittel mit dieser Technik Bänder für verschiedene Zwecke. Es ist eine der ersten Webtechniken, die Kinder dort erlernen.

Am 18. und 19 Januar 2025 möchte ich diese Technik in einem Webkurs im Museum „Die Weberei“ in Oederan vermitteln. Hier kann das Anmeldeformular und Kursprogramm heruntergeladen werden. Außerdem werde ich am 1. März 2025 diesen Kurs noch einmal in der Webschule Großschönau (hier) halten. Neben der Vermittlung der Technik gibt es im Kurs auch eine umfangreiche deutschsprachige Anleitung für die Teilnehmer.

Das sehr schöne Anleitungsbuch von Marieke Kranenburg aus den Niederlanden, das es bei Etsy auf Niederländisch und Englisch gibt, hat mich ein bißchen zum Spielen mit dieser Webtechnik gebracht. Die Muster, die in diesem Buch vorgestellt wurden, haben mich sehr an „Pebble Weave“, also an Komplementärmuster, erinnert. Voraussetzung zum Umsetzen dieser Muster in die Technik mit gekreuzten Kettfäden ist, daß die Muster an der Horizontalen gespiegelt sind.

Da ich in einem Post die Muster aus Q’ero beschrieben hatte, kam ich auf den Gedanken, diese streng symmetrischen Muster als crossed-warp zu weben. Komplementär sind sie dann nur noch in der Richtung der Kettfadenkreuzungen, was zu interessanten Effekten auf der Unterseite führt.

Das Band oben zeigt, für die Technik der gekreuzten Kettfäden stark vereinfacht, die Q’ero-Motive für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Das Motiv für die Sonne am Mittag, was aus einer Hälfte Sonnenaufgang und einer Sonnenuntergang besteht, kann man mit der Technik der gekreuzten Kettfäden so nicht weben.

Aber ein ähnliches Muster, welches auch die Sonne am Mittag zeigt, geht, das Hatun-Inti-Motiv aus der Palma y Ramos Technik. Dieses enthält im Original horizontale Linien, die mit gekreuzten Kettfäden nicht möglich sind. Also wird das Muster vereinfacht und auf die geringere Kettfadenzahl angepaßt.

Um so ein komplexes Muster zu weben, muß man Reihen auf Stäbchen ablegen, in diesem Fall zehn Stück. Man braucht also Platz, bis ans Ende einer Kette schafft man es mit diesen Mustern nicht.

Das Band oben ist aus handgesponnener Wolle und mit Pflanzen sowie Cochenille gefärbt. Trotz der festen Verzwirnung mußte ich beim Weben sehr aufpassen, um nicht die Kettfäden zu ruinieren. Wenn man die Verflechtungen von den Stäbchen in Richtung der Weblinie bekommen möchte, nimmt man bei Wolle am besten jedes obenliegende Fadenpaar einzeln in beide Hände und zieht es nach oben, auseinander und zu sich hin. Damit verhaken sich die miteinander verdrehten Kettfäden beim Öffnen des Fachs nicht so. Bei glatter Baumwolle reicht es, das Stäbchen langsam zur Weblinie zu ziehen.

Bei den hier gezeigten Bändern wurden die Fäden in Vierergruppen (zwei Fadenpaare) miteinander verflochten. Es gibt aber noch eine Technik für das Verflechten von jeweils sechs Fäden, die Adele Cahlander 1978 in ihrem Artikel „Bolivian Tubular Edging and Crossed Warp Techniques“ als Einfassung für größere Webstücke, ähnlich einem ñawi awapa, aber als flaches Band, beschrieben hat. Diese möchte ich in einem nächsten Post beschreiben und eine Anleitung dafür geben.

Neugierig geworden? Hier sind noch ein paar Sachen zum Weiterlesen und Anschauen:

(1) Adele Cahlander, Marjorie Cason, Ann Houston: Bolivian Tubular Edging and Crossed-Warp Techniques; The Weavers Journal, Boulder, Colorado; 1978

(2) Marijke van Epen: Bandjes in kettingkruisen in Handwerk zonder Grenzen Nr. 2; 1995

(3) Marieke Kranenburg: Crossed warp technique on the inkle loom; PDF auf Etsy; August 2022

(4) Denise Y. Arnold, Elvira Espejo: The Andean Science of Weaving Structures and Techniques of Warp-faced Weaves; Thames & Hudson, London 2015

(5) https://www.fascinatingbraids.com/crossedwarp.html mit Anleitung (englisch) und Video

(6) https://www.bandweefblog.nl/2022/vinkje/  mit Link zum Etsy-Shop für (3)

Palma y Ramos

Palme und Zweige – das erinnert doch zuerst an den Palmsonntag (spanisch: domingo de ramos) und nicht an eine Webtechnik. Aber so heißt eine Mustertechnik aus Peru, bei der die Fäden für ein zweifarbiges Komplementärgewebe auf eine spezielle Art und Weise eingezogen werden.

Das erste Mal fielen mir die Muster in einem Buch von Nilda Callañaupa Alvarez (2) auf. Dort ist nur ein Teil eines Musters abgebildet, aber die klare Linienführung und Regelmäßigkeit im Aufbau sowie die augenscheinlich sehr hohe Fadenzahl haben mich neugierig gemacht. Verwirrend war allerdings die Schreibweise in dem Buch: „Palmay Ramos“, dafür gab es keine richtige Übersetzung, weder auf Spanisch noch Quechua. Also ein bißchen suchen, im Internet wurde ich schnell fündig, in der Zeitschrift Andina aus Peru gab es einen Artikel über die Aufnahme der traditionellen Webtechniken aus Pitumarca in das Nationale Kulturerbe Perus.

Aus dem Artikel in (3): Otra técnica es la de palma y ramos, cuyo nombre deriva de que el tejido resultante sea usado en la Pascua. Esta técnica es urdida con dos o tres colores de hilos dispuestos en cinco pares por fila, dando un total desde 25 hasta más de 150 pares, incluyendo hasta dos tramas. La técnica se caracteriza por contener el motivo del hatun inti o sol de soles, en referencia a la figura del Inca, empleada desde la época colonial.

Übersetzung: Eine andere Technik ist Palma y Ramos, deren Name von der Tatsache herrührt, dass das entsprechende Gewebe zu Ostern verwendet wird. Bei dieser Technik werden zwei- oder dreifarbige Fäden in fünf Paaren pro Gruppe gewebt, was insgesamt 25 bis mehr als 150 Paare ergibt, einschließlich bis zu zwei Schussfäden. Die Technik zeichnet sich dadurch aus, dass sie das Motiv des Hatun Inti oder der Großen Sonne enthält, in Anlehnung an die seit der Kolonialzeit verwendete Figur des Inka.

Das war spannend, eigentlich weben nur die Menschen aus Q’ero große Sonnenmotive, dachte ich bisher. Pitumarca ist ca. 60 km Luftlinie entfernt von Q’ero, dazwischen liegt ein hoher Gebirgsabschnitt. Noch interessanter war, daß offensichtlich der Einzug der Fäden bei den dreifarbigen Geweben aus Q’ero dem der zweifarbigen Palma-y-Ramos-Gewebe aus Pitumarca entspricht. Das nämlich, im Gegensatz zu obigem Zitat, die Komplementärpaare alle vier Fäden die Farbe wechseln.

Mir fiel da etwas ein: irgendwo hatte ich die zweifarbigen Sonnenmotive schon einmal gesehen. Im Buch „Hidden Threads of Peru“ auf Seite 28 ist eine Lliklla (Manta) mit diesen Motiven abgebildet, die aus aus Ch’ilka, einem heutigen Ortsteil von Pitumarca stammt.

Lliklla aus Ch’ilka, wie Abb. 1.6 aus (1); befindet sich im Textile Museum in Washington

Ann P. Rowe schreibt dazu: „Some distance southeast of the Q’ero cultural area is another zone of glaciated mountains including the impressive Mt. Ausangate, and on the other side of this is another cultural area, centering on the village of Ch’ilka. Despite the mountains barrier, people from Ch’ilka come to Q’ero at the time of the maize harvest to exchange alpaca and llama meat and fiber for maize (Fig. 1.6). The village of Pitumarca, at a lower elevation to the west of Ch’ilka, has a close relationship with Ch’ilka …

Etwas südöstlich des kulturellen Einflußgebietes von Q’ero befindet sich eine weitere Zone vergletscherter Berge, darunter der beeindruckende Berg Ausangate, und auf der anderen Seite davon befindet sich ein weiteres kulturelles Gebiet, dessen Mittelpunkt das Dorf Ch’ilka ist. Trotz der Hochgebirgsbarriere kommen Menschen aus Ch’ilka zur Zeit der Maisernte nach Q’ero, um Fleisch und Wolle von Alpakas und Lamas gegen Mais einzutauschen (Abb. 1.6). Das Dorf Pitumarca, tiefer gelegenund westlich von Ch’ilka, hat eine enge Beziehung zu Ch’ilka, …“

Ch’ilka, auch Chillka oder Chillca geschrieben, gehört heute zu Pitumarca. Da war sie also, die textile Verbindung zwischen Q’ero und Pitumarca, neben dem regelmäßigen Austausch von Lebensmitteln zwischen den Orten erfolgte sicher auch ein Austausch textiler Kenntnisse. Die heutigen Weber von Pitumarca scheinen die Palma-y-Ramos-Technik in ihr Repertoire textiler Techniken aufgenommen zu haben, und zwar so gut, daß die Technik im Verzeichnis des nationalen Kulturerbes erscheint.

Es gibt nur sehr wenige Bilder solcher Textilien im Internet, scheinbar ist das Interesse daran nicht sehr groß oder es gibt – im Gegensatz zu anderen in Pitumarca verwendeten Techniken – keinen Markt dafür, aus welchen Gründen auch immer.

Einige Bilder mit dieser Technik findet man auf dem Instagram-Account von Alepio Melo, einem sehr engagierten und talentierten jungen Weber aus Pitumarca. Ich hoffe, Herr Melo nimmt es mir nicht übel, wenn ich hier ein Bild seiner Arbeit zeige:

Abby Franquemont aus den USA, die ihre Kindheit als Tochter von Ethnografen in Chinchero in der Nähe von Cusco verbracht hat und dort die traditionelle Weberei lernte, schrieb 2008 über Palma y Ramos, das diese Technik von den wenigen Weberinnen, die das damals konnten, als schwierig angesehen wurde und kommentierte selbst: „…And Palmay Ramos is weaver´s madness…“

Naja, bezogen auf die hohen Fadenzahlen der Muster ist das schon der Wahnsinn, Alepio Melos Tuch oben hat über 300 Musterfäden. Ganz so schwierig wie es scheint, ist das Weben aber nicht, die Erfinder waren jedoch unglaublich clever, was den Musterentwurf angeht. Fangen wir mal an!

In meinem vorigen Post habe ich die Mustertechnik aus Q’ero beschrieben, mit dem ungewöhnlichen Einzug der Komplementärpaare, hier nochmal zur Erinnerung:

Die Muster aus Q’ero sind dreifarbig, die Palma-y -Ramos-Muster haben nur zwei Farben. Eingezogen werden sie so:

Die Anzahl der Vierergruppen ist beliebig, je nach Größe des Musters. In meinem gewebten Beispiel der Muster von der Lliklla aus dem Textile Museum sind es 104 Musterfäden. Ein Webbrief sieht so aus:

Es fällt auf, daß sich die bereits in Litzen- und Rollenfach eingezogenen Musterreihen auch regelmäßig im Webbrief wiederfinden. Bei den Mustern aus Q’ero war das genauso, diese waren so entworfen, daß man alle drei Reihen das Fach weben kann wie es erscheint und nicht einlesen muß. Bei Palma y Ramos muß man nur jede zweite Reihe einlesen, kann aber, wenn man zum Muster noch Randfäden in Leinenbindung hinzufügt, nur ein Fach und das alle vier Reihen weben, wie es erscheint. Hier eine Übersicht mit einem Musterausschnitt, wie man das machen muß:

Musterbereich und Randbereich werden beim Weben unterschiedlich behandelt, um zu erreichen, daß die in einfacher Leinenbindung in Litzen und Rolle eingezogenen Randfäden in der richtigen Reihenfolge abbinden.

Da die Muster ziemlich gleichförmig aufgebaut sind, kann man, wenn man die Technik einmal verstanden hat, nur nach dem Foto eines Musters weben, wie ich es hier getan habe.

Da eine geschriebene Erklärung zu dieser Webart nur zu Verwirrung (weaver´s madness) führen würde, habe ich zwei Videos mit erklärenden Texten (deutsch und englisch) gemacht, wo man sich das Weben ausführlich ansehen kann. Das Einlesen der Muster direkt an der Weblinie erscheint auf den ersten Blick schwierig, wird aber durch die wechselnden Farben der Komplementärpaare sehr unterstützt. Die Videos sind lang, da sie das komplette Einlesen zweier Musterreihen zeigen, aber ich denke, Geduld und Konzentration sind die Grundvoraussetzungen, um das überhaupt weben zu können.

Bei Problemen mit der Wiedergabe der Videos bitte die Links benutzen!

Link zum deutschsprachigen Video

For English speaking weavers, please use this link

Für Hinweise von meinen Lesern, wo es noch mehr Bilder dieser Technik gibt oder sogar eine Beschreibung oder Videos, wie genau die Weber in Peru das machen, wäre ich sehr dankbar!

Kleiner Nachtrag:

Das gewebte Stück Stoff habe ich in ein Kleid aus Wollwalk genäht.

Hier ist noch etwas zum Weiterlesen:

(1) Ann Pollard Rowe, John Cohen: Hidden Threads of Peru – Q’ero Textiles

(2) Nilda Callañaupa Alvarez: Secrets of Spinning, Weaving and Knitting in the Peruvian Highlands

(3) andina.pe; 09.05.2018: Conocimientos del tejido tradicional de Pitumarca son Patrimonio Cultural de la Nación

Versteckte Fäden – drei Farben, zwei Fächer Teil 1

Zugegeben, der Titel ist teilweise gemaust. „Hidden Threads of Peru“ heißt ein Buch von Ann Pollard Rowe und John Cohen (3), das sich mit den Textilien der abgelegenen Andengemeinde Q’ero in Peru beschäftigt. Die Autoren beziehen sich bei dem Titel ausdrücklich auf ein Merkmal der Mustertechnik aus Q’ero: nicht für das Muster gebrauchte Fäden werden unter Flottierungen versteckt. 

Es gibt in den Anden einige doppelseitige Mustertechniken mit drei Farben, die auf dem selben Prinzip beruhen wie die Gewebe aus Q’ero, allerdings werden bei diesen pro Reihe nicht alle drei Farben gleichzeitig verwendet, sondern nur zwei davon. Die dritte Farbe erscheint als Grundfarbe auf der Rückseite. 

Ein Band mit solchen Mustern webe ich gerade:

Die dreifarbige einseitige Webart „pebble-weave“, die von den Inkas verwendet wurde, beruht auf einem ähnlichen Prinzip wie die weiter unten beschriebene Technik, kann jedoch alle drei Farben in einer Reihe verwenden und soll hier nicht betrachtet werden. (1)

Tasche aus Pachacamac, Inka

Schon 1976 hat Adele Cahlander in ihrem Anleitungsbuch für Webtechniken aus Südamerika ((1), Band 4 zweifarbig und Band 20 dreifarbig) das Prinzip der gestuften Diagonalen beschrieben, mit dem sich komplementäre dreifarbige Muster mit nur 2 Schäften doppelseitig weben lassen. Diagonale Linien im Muster werden dabei nicht wie bei pebble-weave durch den einfachen Versatz von zwei nebeneinander liegenden Fäden derselben Farbe gebildet, sondern durch das Versetzen von über drei Reihen flottierenden Fadenpaaren einer Farbe. Klingt erst einmal kompliziert, ist es aber nicht, so sieht das aus:

Ann Pollard Rowe hat 1977 in ihrem Buch „Warp-Patterned Weaves of the Andes“ (2) eine Darstellung des Fadenlaufs der dreifarbigen Muster mit gestuften Diagonalen veröffentlicht, auf der zu sehen ist, wie die bei blauen Flottierungen gerade nicht gebrauchte dritte Farbe (hier rot) in jeder Reihe mit abgebunden wird. Damit „versteckt“ sich die im Beispiel nicht gebrauchte rote Farbe unter den Flottierungen von blau, sie bildet die Grundfarbe auf der Rückseite des Gewebes.

Umzeichnung der Darstellung aus (2) mit daneben liegendem Webbrief

In Peru, speziell in der weiteren Umgebung von Cusco, gibt es zahlreiche Motive mit drei Farben, die in dieser Technik gewebt werden. Sie sind eine Erfindung der neueren Zeit. Belege dafür, daß diese Technik schon in vorspanischer Zeit gewebt wurde, sind nicht vorhanden. Die Musterfarben wechseln blockweise, werden also nicht beide in einer Reihe verwendet. Das gilt auch dann, wenn das Muster revers gewebt wird, also Grund- und Musterfarbe vertauscht werden.

Wenn man das Weben dieser dreifarbigenMuster erlernen möchte, sollte man solide Kenntnisse in den zweifarbigen Komplementärtechniken haben, pebble-weave oder etwas gleichartiges also problemlos weben können.

Der Einzug für die zweischäftigen  Muster mit gestuften Diagonalen ist folgender: 

In einem Fach sind die Einzelfäden der Grundfarbe, im anderen Fach die Paare der Fäden für das Muster. Welches Fach man beim Gurtwebgerät in die Litzen einzieht und welches über die Rolle läuft, hängt von den Vorlieben der Weberin ab, es gibt keine feste Regel. Möchte man allerdings bei größeren Mustern und zahlreichen Horizontalen in einer Musterfarbe  die Paare noch einmal mit Litzen trennen, ist es besser, wenn das Fach mit den Musterfarben über die Rolle läuft. 

Jeweils ein Faden der Grundfarbe (hier grau) ist komplementär mit einem Fadenpaar der Musterfarben (hier blau und rot), entsprechend werden die Muster wie bei anderen solchen Techniken (z.B. pebble-weave) nach Webbrief eingelesen. 

Für das Weben mit gestuften Diagonalen in drei Farben gibt es spezielle Webbriefe, da die Technik des Einlesens nur alle zwei Reihen gleich ist. Hier ein Beispiel mit 34 Musterfäden:

Den Webbrief liest man so:

Reihen mit horizontaler Linie – Musterfarbenpaare oben

– egal welche Farbe das Muster im Webbrief hat, die Musterfarbe wird als Paar aufgenommen

– nimmt man eine Grundfarbe von unten auf, läßt man dafür nur den im Muster nicht verwendeten Farbfaden fallen, der Faden in der aktuellen Musterfarbe des Blocks bleibt zusammen mit dem heraufgeholten Faden der Grundfarbe oben

Reihen ohne horizontale Linie – Grundfarbe oben

– die Grundfarbe wird aufgenommen, wie sie erscheint

– die Musterfarbe wird als Einzelfaden der dargestellten Farbe von unten aufgenommen, die dazu komplementäre Grundfarbe wird fallengelassen, die zweite Musterfarbe bleibt unten

Ein kurzes Video zeigt das Einlesen in beiden Fächern:

Wechselt man im Muster zu einem Block mit der anderen Musterfarbe, im Video oben von rot nach blau, ist es zweckmäßig, einmal die gesamten Musterfäden der neuen Farbe auszulesen und nach oben zu ziehen, gut anzuschlagen und bis zum nächsten Fachwechsel einen Faden darunter zu legen. Im Video ist der Faden zu sehen. Das sorgt dafür, daß der Wechsel auf die neue Musterfarbe vollständig erfolgt und sich nicht eine Horizontale mit zwei Farben zugleich bildet. 

Auf diesem Foto ist zu sehen, wie man sich das durch zusätzliche Litzen für die Farbfäden leichter machen kann. Die zwei dafür erforderlichen Litzenstäbe sitzen direkt an der Fachrolle. Eine Schnur liegt zusätzlich unter der Farbe, die gerade verwendet wird und hält diese auf der Oberfläche.

Je nach verwendetem Material der Kette sieht man im Muster auch immer einmal die Farbe, die man eigentlich in diesem Block nicht wollte. Das kann an leichten Unterschieden in der Fadenspannung liegen oder daran, daß man die zwei nebeneinander liegenden verschiedenfarbigen Musterfäden miteinander verdreht hat. Auch wenn man die Farbe eines Blocks wechselt, kommt vor allem bei Baumwolle die andere Farbe mit hoch. Es ist eben kein Doppelgewebe. Betrachtet man das Muster aus einiger Entfernung, fallen solche kleinen Unregelmäßigkeiten kaum auf. 

Im zweiten Teil über die Dreifarbtechniken mit gestuften Diagonalen möchte ich dann zeigen, wie man die Muster aus Q’ero einzieht und webt. 

Hier noch etwas zum Weiterlesen:

(1) Marjorie Cason, Adele Cahlander: The Art of Bolivian Highland Weaving

(2) Ann Pollard Rowe : Warp-Patterned Weaves of the Andes

(3) Ann Pollard Rowe, John Cohen: Hidden Threads of Peru – Q’ero Textiles

Tiklla – Gewebe mit unterbrochenen Kettfäden

Partialkettengewebe – was für ein sperriges Wort -, so heißt Tiklla auf Deutsch. Auf Quechua ist es die Bezeichnung für eine spezielle Gewebeart, die an der vorspanischen südamerikanischen Pazifikküste und/oder im Andenraum erfunden wurde und weltweit einzigartig ist. Im Gegensatz zu in Europa und Asien gebräuchlichen Webarten gehen die Kettfäden hier nicht durch das ganze Webstück, sie sind mindestens an einer Stelle in der Horizontalen unterbrochen und wechseln die Farbe. Auf unseren heute benutzten Webrahmen und Webstühlen ist das bis auf wenige Ausnahmen kaum machbar, auf den in den Anden verwendeten einfachen Webgeräten aber schon.

kleines Tuch mit vier Farbflächen

Archäologische Funde aus Peru und Kolumbien belegen, daß es diese Gewebe seit ca. 300 n. Chr. gibt. Sie wurden oft aus Baumwolle gefertigt, zur Inka-Zeit auch aus Wolle von Alpaka und Vicuña. Ein Vorteil dieser Webart war, daß die Bewohner der heißen Küstenregionen am Pazifik dünne und flexible, leinenbindige Gewebe mit klar abgegrenzten Farbflächen herstellen konnten. Mit einem Schußrips hätte man zwar auch Farbflächen weben können, diese Gewebe werden aber viel dicker und steifer. Manche Gewebe aus vorspanischer Zeit sind mit einem kaum vorstellbaren Arbeitsaufwand entstanden, sie sind z.T. so kompliziert, daß sie nur mit der Nadel auf einem Fadengerüst gewebt wurden, wobei der Schußfaden zur Kette werden konnte und umgekehrt. Die Techniken mit Fadengerüst werden heute nicht mehr angewendet, der Name „Scaffold weave“ für Tiklla in englischsprachigen Publikationen beinhaltet aber noch das dafür notwendige „Gerüst“ .

Tunika aus der Siguas/Nazca-Kultur

Die Technik der unterbrochenen Kettfäden wurde bis in die Inka-Zeit hinein angewendet, das Aussehen dort aber auch häufig durch Bildwirkerei imitiert. Die Inka-Weber hatten gelernt, sehr feinfädige Textilien mit bis zu 100 Schußfäden pro cm (!) in Gobelintechnik herzustellen.

Inka-Tunika mit unterbrochenen Kettfäden im schwarz-weißen Abschnitt und Mustern in Bildwirkerei darüber

Tiklla war im letzten Jahrhundert in Peru kurz davor, in Vergessenheit zu geraten. Nur in abgelegenen, noch sehr traditionell lebenden Gemeinschaften wie bei den Bewohnern von Q’ero in den Hochanden und im bekannten Weberort Pitumarca hatte sich diese Technik erhalten.

John Cohen, ein US-amerikanischer Fotograf, Filmemacher und Musiker hat 1977 die Herstellung einer Kette für ein Tiklla-Tuch in der Gemeinde Q’ero fotografisch dokumentiert. Ein Teil seines Buches „Past. Present. Peru.“ ist der traditionellen Weberei im Peru Mitte des 20. Jahrhunderts gewidmet und enthält großartige Fotos und auf beiliegender DVD auch Videoaufnahmen über das Weben mit einfachsten Mitteln.

Die Weber aus Pitumarca haben Tiklla mit ihren Mantas zur Perfektion gebracht. Es werden nicht nur verschiedene Farbflächen in der unterbrochenen Kette gewebt, sondern es werden auch die Musterbereiche unterbrochen und farblich abgeändert.

Manta aus Pitumarca in Tiklla-Technik mit Musterbereichen; Kette im Foto horizontal

Zum Verkauf an Touristen werden Tiklla-Gewebe mit Chakana-Design hergestellt, die oft in US-amerikanischen Schamanen-Shops landen. Naja, wenn es dem Erhalt des Handwerks hilft…

neuzeitliches Tuch mit Chakana-Design, 7 Trenn- und Litzenstäbe waren dafür nötig

Die indigenen Bewohner Perus benutzen quadratische Tücher in Tiklla-Technik mit vier Farbflächen in Ritualen zu Ehren der Pachamama, der Apus und anderer göttlicher Wesen. Daran sollte man mit Respekt denken, wenn man so etwas in der Hand hat oder sich selber am Weben eines solchen Tuches versucht.

Traditionelle Tiklla-Gewebe haben vier feste Seiten, man braucht also Geduld. Die Kette wird mit Fadenkreuz (also in 8-Form) entweder auf einem an sechs Pflöcken am Boden befestigten Horizontalwebgrät geschärt oder auf einem speziell dafür angefertigten Gestell.

Die folgenden Bilder zeigen die einzelnen Schritte der Herstellung einer Kette für ein vierfarbiges kleines Tuch von 50 cm Länge und 40 cm Breite.

In Peru sind beim Schären einer Kette zwei oder drei Frauen beteiligt, das geht wesentlich einfacher und schneller, als wenn man sich alleine mit Klammern als dritte Hand behelfen muß.

Bei dem Tuch oben wurden die Kettfäden nicht so dicht gesetzt, daß sie den Schußfaden völlig verdecken. Die Schußfäden gehen daher jeweils nur bis zur Mitte des Webstücks, sind dort an ihrem Umkehrpunkt ineinander verhängt und haben die gleiche Farbe wie die Kettfäden.

Bei einer Unterbrechung des Kettfadenverlaufs braucht man für die Fachbildung auf jedem Kettfadenabschnitt einen Litzenstab und eine Fachrolle, man muß also mindestens zwei Litzenstäbe einziehen.

Angewebt mit je einem Litzenstab pro Feld, der Trennstab kann herausgezogen werden

Hat man die Kette an den Stäben des Gurtwebgeräts befestigt und die Litzen angebracht, webt man zunächst von jedem Stab aus ein Stück an. Der Stab, der die Unterbrechung der Kette und die Trennschnur hält, bleibt erst einmal in der Kette. Man kann ihn direkt nach dem Anweben entfernen oder auch erst die Hälfte des Kettabschnitts weben und ihn dann herausziehen. Die Schnur bleibt dabei natürlich drin! Bei Baumwolle ist es besser, den Stab gleich nach dem Anweben herauszunehmen, um horizontale Rippen im Gewebe durch das Gleiten der Kettfäden um den glatten Trennstab zu vermeiden. Ist der Trennstab herausgenommen, webt man von der Mitte, also von der Schnur aus, nach beiden Seiten an. Die auf der Schnur liegenden äußeren Kettfadenschlaufen haben die Tendenz, nach außen wegzurutschen, also die Schnur lang genug machen. Die Schnurenden werden im ersten Fach beim Anweben auf der Schnur mit eingelegt und sichen so die außenliegenden Schlaufen der Kettfäden.

Ein Muster, das in der Mitte des Tuches gut zu sehen sein soll, beginnt man direkt an der Schnur. Die Enden an den Kettbäumen werden nur 1 cm angewebt, um die richtige Breite des Gewebes einzustellen. Eventuell verwendet man einen Schußfaden, den man später wieder leicht entfernen kann. Danach wird das Gewebe gedreht und man webt von der Schnur aus nach den Enden zu. Beim Original des Tuchs im folgenden Beispiel waren die Altvorderen clever: statt von der Mitte bis ganz zum Ende am Kettbaum zu weben, haben sie das Ende mit einem Band in Zwirnbindung versehen. Das läßt sich auf dem letzten Zentimeter besser anbringen, als wenn man bei einer Fadenstärke von ca. Nm10 und reichlich 1000 Fäden auf 40 cm Breite mit der Nadel weben muß.

Tuch, ca 40 x 40 cm, Fundort Arica, Chile; ausgestellt im Museo Chileno de Arte Precolombino

Dieses kleine Tuch hat mir so gefallen, daß ich versuchen möchte, es nachzuweben. Die Muster konnte ich trotz der unscharfen Fotos aus dem Internet einigermaßen rekonstruieren.

Musterprobe

Ein brauchbares Wollgarn in den entsprechenden Farben zu finden war schwierig. Kein dünnes Wollgarn, was hier in Deutschland erhältlich ist, erfüllt die Anforderungen für das Weben mit den hohen Fadendichten eines Kettripses. Es lief wieder auf Nachzwirnen heraus, das Garn ist Kammgarn 20/2 von Garnhuset i Kinna aus Schweden, hier erhältlich bei Swedenform. Zum Glück braucht man nicht viel Garn für so ein Tuch, so daß das Nachzwirnen schnell erledigt war.

beim Schären der Kette zum Nachweben des oben abgebildeten Tuchs
fertige Kette für das gemusterte Tuch
Tuch von der Mitte aus angewebt

Da das hier verwendete dünne Wollgarn für mich neu war, habe ich zunächst einige Proben gewebt, um zu sehen, ob dieses Garn das Weben mit hoher Fadendichte aushält.

Bei der Probe im linken Bild wird der Schußfaden noch gut abgedeckt, das Garn löst sich aber während des Webens zusehends auf. Verringert man die Fadendichte so wie im mittleren Bild, widersteht das Garn länger den Belastungen, der Schußfaden macht sich aber im Musterbereich unangenehm bemerkbar. Das Garn für die Probe im rechten Bild habe ich auf dem Spinnrad moderat nachgezwirnt, es ist noch weit entfernt von den drahtartigen Fäden, die die Andenweberinnen benutzen. Das hat am besten funktioniert, die Fäden haben bis zum Schluß gehalten, es gab keinen Abrieb in den Litzen und die Fächer ließen sich für einen Kettrips aus Wolle ordentlich öffnen. Dieses Garn und Fadendichte habe ich dann für das Tiklla-Tuch verwendet.

Zum Weberforum am 11. Juni 2023 in Oederan möchte ich in einem Workshop für an dieser Technik interessierte Weberinnen und Weber näher erläutern, wie man Tiklla webt. Gezeigt werden das Prinzip des Schären der Kette auf einem Gestell, die Herstellung einer Tiklla-Kette für einen Salusso-Webrahmen („Kleiner Italiener“) und das Entfernen des Trennstabes und Anweben auf der Schnur bei einer bereits angefangenen gemusterten Kette auf dem Gurtwebgerät. Ich würde mich freuen, wenn bei diesem Workshop eine fruchtbare Diskussion entsteht, wie man diese außergewöhnliche Technik auch auf den hier gebräuchlichen Webgeräten anwenden kann.

Bandwebmuster in drei Farben

Vor Jahren hatte ich mich schon einmal an der Baltischen Technik mit zwei Musterfarben versucht und das Ganze wieder weggelegt, da mir das Abbinden der Musterfäden auf der Rückseite nicht richtig gelingen wollte. Diesen Herbst gab es dazu eine Diskussion auf Ravelry, vielen Dank an Brettchenweberin, die meine Neugier auf diese Technik wieder geweckt hat!

Eine Baltische Technik ist das eigentlich gar nicht. Aus dem Baltikum sind mir keine Textilien mit dieser Technik bekannt, im Internet habe ich nichts gefunden, weder Bilder noch Beschreibungen. In Südamerika webt man allerdings breit gemusterte Mantas damit und diese Mustertechnik scheint dort schon einige Jahrzehnte in Gebrauch zu sein. In Peru heißt sie Ley (oder ligui) pallay de tres colores. Die folgenden Bilder zeigen einen Gürtel aus der Sammlung des ILCA (Instituto de la Lengua y Cultura Aymara) in Bolivien.

Die südamerikanischen Weberinnen haben es sogar geschafft, durch geschickte Musterentwürfe ein nahezu doppelseitiges Muster zu erzielen, so wie auf dieser kleinen Manta aus Bolivien:

Gewebt wird diese Technik ähnlich den baltischen oder ostpreußischen Bandwebmustern. Es kommt aber hinzu, daß regelmäßig Bindepunkte gesetzt werden müssen, um die gerade nicht verwendete Musterfarbe am zu langen Flottieren auf der Rückseite zu hindern und auch, um durch das regelmäßige Abbinden der Musterkette eine ungleiche Spannung der Kettfäden zu verhindern.

Diese Bindepunkte sind unter den Flottierungen der Musterfäden verborgen oder werden, wo das nicht geht, durch die Handhabung der Musterfäden beim Weben etwas versteckt.

Für interessierte Weberinnen habe ich eine Beschreibung dieser Technik gemacht, die zwei verschiedene Möglichkeiten, diese Bindepunkte zu setzen, behandelt. Sie kann unter dem Menüpunkt „Südamerikanische Webtechniken“ oder hier heruntergeladen werden.

Doppelt und Dreifach

Stabdoppelgewebe mit Webblatt auf einem Backstrap-loom? Warum nicht, man muß sich nur etwas einfallen lassen, um die endlos geschärte Kette in das Blatt einzuziehen und die gewünschte Fadendichte hinzubekommen.

Man kann die Kette auch wie beim Webstuhl aufschneiden, einziehen und an einem Stab anbinden, das verschwendet eine Menge Garn und man muß den Anfang des Gewebes nach Fertigstellung abnähen oder Fransen knüpfen.

In der Wahl der Dichte des Webblattes und auch in der Auswahl des Garns ist man mit endloser Kette nicht ganz so frei wie beim Anbinden auf einem Webstuhl. Bei mir hat es sich bewährt, je zwei Fäden von einer Farbe, also für zweifarbiges Doppelgewebe insgesamt vier Fäden in eine Lücke des Blatts einzuziehen. Das mache ich deshalb so, weil ich dann die Schlaufen am knotenfreien  Ende der endlosen Kette gleich mit dem Einziehhaken durch das Blatt fädeln und sofort auf einem der beiden Stäbe des Gurtwebgerätes aufziehen kann. Der andere Stab hält das Ende der Kette mit den Knoten für den Anfang und die Farbwechsel. Die Kreuzstäbe werden direkt nach dem Schären der Kette angebracht und dienen der Orientierung beim Einziehen des Webblatts und der Litzen. Sie bleiben später beim Weben in der Kette und helfen dabei, die Fäden in der richtigen Webbreite zu halten.

Mit der gleichmäßigen Spannung der Kettfäden gab es nach dem Einziehen keine Probleme.

Für Baumwolle 8/2 (Nm 6,7) habe ich ein Blatt 40/10 (10 dents) verwendet, bei zwei Fäden pro Farbe im Doppelgewebe entspricht das einer Fadendichte von 8 Fäden pro cm in einer Lage des Gewebes.

Da ich ein längs gestreiftes leinenbindiges Grundgewebe für Anfang und (vielleicht) Ende haben wollte, sind die Litzenstäbe anders eingezogen als bei z.B. nordeuropäischem Stabdoppelgewebe. Litzenstab 1 ist hell, Litzenstab 2 ist dunkel, 3 und 4 entsprechend genauso. Auf den Kreuzstäben liegen die Farben jedoch zwei hell/ zwei dunkel nebeneinander. Genauso gehen sie auch durch die Schlitze des Blatts, die zwei Fäden der hellen Gewebelage zusammen mit den korrespondierenden zwei Fäden der dunklen Gewebelage. Die Übersicht beim Einlesen der Fäden für das Muster wird dadurch sehr verbessert.

Damit das Ausheben der gesamten Fäden einer Farbe bei diesem Einzug nicht zum Kampf mit den Litzenstäben wird, liegt die helle Farbe auf einer Rolle hinter allen vier Litzenstäben, die zwei Stäbe mit  dunkle Farbe werden bei Gebrauch einzeln ausgehoben und an der Weblinie mit Hilfe der Webschwerter vereinigt. Das geht schneller, als man es aufschreiben kann.

Gewebt habe ich Muster aus dem vorspanischen Peru, der hochauflösenden Fotos von Museumsobjekten, die es jetzt gibt, sei Dank. Die Webart ist Finnweave, eine Variante des Stabdoppelgewebes, die auf der Vorderseite exakte horizontale und vertikale Linien produziert, in dem mehr Fäden der Musterfarbe auf dieser Seite als auf der Unterseite verwendet werden. Dadurch ist das Muster aber nicht auf beiden Seiten gleich gut vorhanden.

Man kann mit einem Backstrap-loom Gewebe herstellen, die vier feste Seiten haben, allerdings nicht, wenn man ein Webblatt verwendet. Oder doch? Kommt drauf an😉! Wenn man komplette Schlaufen der Kette durch die Schlitze des Blatts zieht und dann von der anderen Seite (der mit den Knoten) das Weben beginnt, die Seite mit den Schlaufen nicht anwebt, also auch keine Anfangsschnur verwendet, sondern die Kette nur provisorisch festsetzt, dann geht das schon. Das Webblatt kann man entfernen, wenn man nahe am Ende ist und die letzten cm ohne dieses weiterweben.

Doppelgewebe im alten Peru wurden als vierseitig abgeschlossene Gewebe nach gängiger Lehrmeinung ohne Webblatt hergestellt. Bei den ganz alten Sachen ist das sicher so, das Webblatt wie wir es kennen wurde wahrscheinlich um 500 u.Z. in Asien erfunden und kam im Mittelalter nach Europa. Wenn ich mir diesen Kamm aus einem Chancay-Webkörbchen (um 1300 bis 1500 u.Z.) ansehe, habe ich so meine Zweifel, ob diese Weber nicht auch schon eine Art  Webblatt kannten und es wieder aus der Kette entfernten, wenn sie das Ende weben wollten.

Chancay-Fadenkamm, ca. 1300 -1500 A.D.

Der Kamm sieht von seiner Machart aus wie ein halbfertiges Webblatt, nur eine Seite ist gebunden. Zum Anschlagen von Bildgeweben erscheint er mir zu schwach gebaut.

Allerdings muß man dazu zumindest einen Litzenstab für ein leinenbindiges Grundgewebe als Abschluß neu einziehen, das andere Fach läuft wie gewohnt über eine Rolle. Es gibt neuerdings auch Webblätter für Handweber, die man zum Einziehen oder Entfernen oben öffnen kann, allerdings nicht hier in Europa und zu exorbitanten Preisen. Braucht man nicht wirklich.

Die Herstellung eines Webblatts mit einfachen “Hausmitteln” ist nämlich gar nicht so schwierig. Auf die Idee gebracht hat mich Tracy Hudson mit ihrer Beschreibung, wie ein japanisches Webblatt aus Bambus hergestellt wird.

https://www.einesaite.com/blog/einesaite/2017/11/7/bamboo-reeds-continued

Das ist freilich die Königsklasse, so fein brauche ich es gar nicht und auch nicht so groß, ich wollte nur mal schnell ein Band aus einem Buch ausprobieren. Herausgekommen ist das hier:

Ein Webblatt für ein Band, was sind denn das für Flausen? Das Band hat es aber in sich, es ist ein Tripelgewebe, 6 Schäfte, drei Farben, auf der Oberseite dreifarbiges Finnweave und unten zweifarbiges Doppelgewebe. Wieder mal zu lange “Double-woven Treasures from Old Peru” gelesen. Gerade hatte ich Finnweave in zwei Farben richtig begriffen und es fing an Spaß zu machen, da mußte es noch bunter werden! Bloß Leinenbindung gleichmäßig mit Abstand zwischen den Kettfäden weben, will mir ohne Webblatt trotz coil-rod und Breithalter schon bei zwei Farben nicht gelingen. Ein gutes Webblatt für ein Band kleinsägen läßt mein innerer Schotte nicht zu, also eins bauen, möglichst mit Material aus der Gerümpelkiste. Das größte Problem waren gleichmäßig breite Hölzer für die Stege des Blatts. Mir fielen Eisstiele in die Hände, die sahen gut aus, aber ob sie nicht mit ihren 2 mm zu stark sind? Mit einer Schnur von 1,3mm Stärke zum Binden des Blatts kam ich auf eine Dichte von 33/10, die Zwischenräume sind recht eng, aber mit Garn Nm 5,6 funktioniert es.

Das Band hat als Grundfarbe Grün und als Musterfarben Gelb und Rot. Alle drei Farben können als Layer eines Tripelgewebes einzeln gewebt werden, so wie in den Anfangs- und Endstreifen des Bandes. Entsprechend braucht man drei Schußfäden in den drei Farben. Die Schußfäden umschlingen sich am Rand des Gewebes um diesen zu schließen.

Die Oberseite des Bandes ist dreifabiges Finnweave, auf der Unterseite ist zweifarbiges Stabdoppelgewebe mit doppeltem Schuß in einer Farbe für jede Musterreihe. Deshalb ist das Muster dort auch an den Seiten nicht so exakt wie bei Finnweave, es “flattert” ein bißchen.

Warum haben die alten Peruaner Tripelgewebe hergestellt? Archäologen würden vielleicht einen spirituellen Hintergrund vermuten, das Original des Bandes stammt von einer Ausgrabung in  Ocucaje/ Peru und wurde etwa um 900 v.u.Z. angefertigt, zur Zeit der Chavin-Kultur. Die drei Welten der Andenvölker, eine davon im Inneren verborgen oder so.  Es hat wohl gewöhnlichere Gründe: das Gewebe wird auf diese Art schön fest und gleichmäßig, da alle Fäden immer abgebunden werden und keine im Inneren flottieren, was die Spannung der Kette durcheinanderbringt.

Beim Weben des Bandes habe ich mich erst einmal eine ganze Weile an der Anleitung festhalten müssen, bis ich begriffen hatte, wie das mit den drei Farben geht. Vor allem das Weben der  Unterseite war am Anfang unverständlich, bis ich herausbekam, daß dafür die zweite Musterfarbe in einer ganz bestimmten Weise als Komplementärpartner der auf der Oberseite verwendeten Musterfarbe nach unten gebracht werden muß.

Das Weben braucht sehr viel Zeit, für eine Reihe im Muster sind neben dem Einlesen von Hand zwei oder vier Schüsse und entsprechende Fachbildung im Doppelgewebe notwendig.

Das Band mit dem Muster aus dem alten Peru ist nun fertig und lang genug, um daraus eine kleine Tasche für Stifte zu nähen. Es ist ein Stück Kette übrig, da werde ich mal etwas herumprobieren, was mit dieser Technik noch möglich ist.

Ein sehr schönes Band als Tripelgewebe habe ich auf der Seite des Metropolitan Museum of Art gefunden, das Muster soll laut Beschreibung doppelseitig sein, leider gibt es kein Foto der Rückseite.

Metropolitan Museum of Art
Objekt-Nr. 2001.172

Zufällig in den gleichen Farben, die ich für mein Band verwendet habe, aber mit der doppelten Fadenzahl. Ich höre meinen inneren Schweinehund schon kichern:”Es gibt doch jetzt ein kurzes Webblatt, Muster dreifarbig doppelseitig, wäre das was?”  Mal sehen.

Da es so aussieht, als würde ich lieber Webtechniken sammeln statt auch mal etwas fertig zu stellen, hier noch ein Bild von der nun endlich zusammengesetzten blauen Tasche:

Das Trageband habe ich noch mal neu gewebt, mir haben die Farben des ersten Versuchs nicht so gefallen. Es ist ein einfaches Amapola-Muster mit Variationen in den Musterfarben entlang des Bandes. Sonst wird es langweilig.

Die Muster der Acllas

Acllas (Quechua: aklla, Mz. akllakuna : die Erwählte/-n) waren zur Zeit der Inkaherrschaft vorwiegend aus den Kindern der Oberschicht ausgewählte  Jungfrauen, die für den Dienst des Sonnengottes oder des Inkas ausgebildet wurden. (1)

1995 fand man am Berg Ampato in Peru in der Nähe des Gipfels die vollständig erhaltene Mumie eines Kindes mit all ihrer Bekleidung und zahlreichen Grabbeigaben. Das Mädchen war im 15. Jahrhundert im Rahmen eines „capacocha“ genannten Rituals den Göttern geopfert worden. (2)

Der bei der Mumie gefundene Mantel  hat ein charakteristisches Muster aus im Zickzack verlaufenden zweiköpfigen Schlangen mit dazwischen liegenden sechseckigen „seeds“, was auch bei anderen Funden dieser Art, auf dem Bild unten (aus (3)) z.B. aus dem Norden von Chile, vorkommt.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen an ähnlichen Textilien in Museen, die nicht immer von Opferstätten stammen, haben ergeben, daß diese Muster ein fester Bestandteil der zeremoniellen Kleidung der Acllas sind und wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Zyklen von Aussaat und Ernte stehen. Die Farbgebungen der Musterstreifen sind überall gleich, rot-gelb und rot-schwarz als Komplementärpaare, und hatten wohl ebenfalls eine Bedeutung. (4)

Die Muster wurden von den Inkas sowohl als doppelseitiger Schußrips (tapestry weave, tapíz – cara de trama) als auch in einer Komplementärtechnik (modified intermesh) gewebt. Damit verziert wurde nicht nur der Mantel der Acllas sondern manchmal auch das darunter getragene Wickelkleid (acsu). (7)

Aclla-Muster zwei Techniken (Col. Andes)

Die Muster, gewebt in zwei Techniken: oben als Bildwirkerei (Schußrips), unten in Komplementärtechnik; Bildquelle: (7)

Das „Center for Traditional Textiles Cusco“ – CTTC – (Centro de Textiles Tradicionales del Cusco – By Weavers, For Weavers) hat  2006 in Zusammenarbeit mit regionalen Webern begonnen, Rekonstruktionen der am Ampato gefundenen Textilien anzufertigen. (5)

Muster CTTC

nachgewebtes Muster aus dem Fund am Ampato Bildquelle: (5)

 

Eines dieser Stücke wird derzeit für nordamerikanische Käufer in einer Auktion angeboten, um die vom diesjährigen Zusammenbruch des Tourismusgeschäftes in der Region Cusco stark betroffenen Weber zu unterstützen. (Replica of the Ceremonial Ice Maiden Shawl | 32auctions)

Es ist laut Aussagen der Weber vom CTTC nicht einfach, diese Muster von einem vorhandenen Textil abzunehmen und nachzuweben.

Das habe ich gemerkt, vor allem, da es keine wirklich hoch auflösenden Fotos der archäologischen Fundstücke oder Rekonstruktionen gibt, bei denen man die Fäden richtig zählen kann. Aber irgendwann nach zwei Jahren ist bei mir der Knoten gerissen, diese Muster haben ein Konstruktionsprinzip und eine ungewöhnliche Zählweise, auf die man nicht gleich kommt. Da meine Kette zum Experimentieren für einen anderen Musterentwurf gedacht war, habe ich nicht alles, nur etwa zwei Drittel der Breite, darauf bekommen. Die original vorhandene Unterteilung in Farbstreifen ist auch weggelassen.

 

nachgewebtes Aclla-Muster

Musterstreifen mit 97 Fadenpaaren rot/gelb;  Material:  Baumwollgarn Nr. 10

Das erste Muster ist verkürzt, weil ich sehen wollte, ob mein Entwurf überhaupt funktioniert. Bei den Rändern hatte ich es wohl ein paar mal zu eilig 🤭.

Die Vorlagen für die vollständigen Muster findet man hier. Sie sind keine fadengenaue Abbildung der archäologischen Funde, sondern lediglich eine Möglichkeit, diese Muster in zweifarbiger Komplementärtechnik zu weben. Die Muster haben manchmal Fadenflottierungen über 5 Reihen, das ist zwar nicht so schön, läßt sich bei modified intermesh nicht immer vermeiden und tritt auch bei den Rekonstruktionen des CTTC auf. Es gibt zwar eine Möglichkeit, notwendige Bindepunkte an unpassenden Stellen fast unsichtbar zu machen, indem man die Farben eines Komplementärpaares  verdreht tauscht (in (6) auf Seite 61, Bild 7, in anderem Zusammenhang beschrieben), das habe ich aber bei dieser Technik noch nicht probiert.

Hier die Quellenangaben und etwas zum weiterlesen:

(1) Wikipedia (engl.): Aclla – Wikipedia

(2) Wikipedia: Juanita (Mumie) – Wikipedia

(3) Qhapaq Hucha Cerro Esmeralda; Museo Regional de Iquique; Dezember 2012, Autor u.a.: Pablo Mendez-Quiros; abgerufen von researchgate.net

(4) El manto o acso de la reina mujer de Atahualpa. ¿Una prenda de la última reina del Peru?; Olga Isabel Acosta Luna und María Catalina Plazas García; Museo Nacional de Colombia; 2011

(5) Textile Traditions of Chinchero. A Living Heritage; Nilda Callañaupa Alvarez; Thrums Books; 2012

(6) The Art of Bolivian Highland Weaving; Marjorie Cason und Adele Cahlander; Watson-Guptill Publications; 1976

(7) The Colonial Andes: Tapestry and Silverworks 1530 – 1830; Elena Phipps, Johanna Hecht, Cristina Esters Martín; The Metropolitan Museum of Art; 2004

 

Ketzerische Gedanken

Einiges hat sich geändert und ist nicht so gelaufen wie geplant. Die Vorbereitungen für den Museumstag im Mai und das Weberforum Mitte Juni waren für die Katz, da die Politik entschieden hat, daß Menschen sich nicht oder nur eingeschränkt treffen dürfen.

Zum Weberforum wollte ich das Weben mit unterbrochenen Kettfäden (tiklla) zeigen, so ist es nur bei einem Probestück mit dem neuen Baumwollgarn Nm10 geblieben.

Tiklla BW Probe

 

Der Kurs zum Brettchenweben in Oederan, an dem ich Ende März teilnehmen wollte, ist wegen zu wenig Interessenten ausgefallen, also habe ich selbst etwas herumprobiert.

Brettchenbänder

 

Vielleicht wird es nächstes Jahr besser, Ende Januar möchte ich im Museum Oederan einen Kurs zur Broschiertechnik auf Kettripsbändern halten. Diese Mustertechnik ist sehr einfach, man kann zum Anfang viele der zahllosen im Internet kursierenden Kreuzstichvorlagen verwenden. Das grüne Band im Bild unten ist kein reiner Kettrips, da sich das Blumenmuster sonst zu sehr in die Länge gezogen hätte.

 

Den Kurs werde ich allerdings nur halten, wenn die aktuellen Repressalien bis dahin abgeschafft sind und ich mit unverhülltem Gesicht vor die Teilnehmer treten kann.

Die derzeitige Politik und das Verhalten vieler Mitmenschen kommen mir vor, als hätte man aus dem Hexenwahn der Frühen Neuzeit nicht wirklich was gelernt. Damals wurden, bedingt durch krisenhafte Situationen, aus überschießender Angst und Panik  heraus mit Hilfe der weltlichen Macht und gestützt auf den Stand der damaligen Wissenschaft physische Existenzen von Menschen vernichtet, heute sind es  “nur” materielle. Als man den Irrtum in späterer Zeit erkannte, war bereits ein nicht wiedergutzumachender Schaden angerichtet. Allerdings hatten auch einige Personen die Umstände genutzt, um ihre Schäfchen ins Trockne zu bringen. Meiner Meinung nach lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken…

Hexen 1451