Webkurs Baltische Bänder mit zwei Musterfarben

Am 14. und 15. November findet im Museum „Die Weberei“ in Oederan der Bandwebkurs Baltische Bänder Teil 2 statt.

Der Kurs wendet sich an Weberinnen und Weber, die die Baltische Technik mit einer Musterfarbe bereits beherrschen.

Im Kurs wird das Weben mit zwei Musterfarben auf einem einfarbigen Grundgewebe vermittelt.

Wir weben Blüten- und Flechtmuster sowie mittelalterliche Ornamente vom Halberstädter Fastentuch, die auf diese Technik angepaßt wurden. Dafür stehen entsprechende Webbriefe zur Verfügung. Jeder Teilnehmer kann mit einer fertig eingezogenen Kette nach kurzer Erläuterung der Technik gleich mit dem Weben beginnen. In einem theoretischen Teil beschäftigen wir uns mit den Entwurfsregeln für diese Muster und mit verschiedenen Möglichkeiten, eine Kette für diese Bänder herzustellen.

Wer eine eigene Kette vorbereiten und auf einem Webgerät seiner Wahl mitbringen möchte, kann das gerne tun. Statt einem Musterfaden in einer Farbe werden bei dieser Technik zwei parallel liegende Musterfäden in kontrastierenden Farben anstelle des Einzelfadens eingezogen.

Die im Kurs verwendeten Webbriefe enthalten Motive mit 17 Musterfäden. Es können aber auch eigene Vorlagen mit einer Musterfarbe mitgebracht werden, bei denen wir schauen, wie sie sich auf die Technik mit zwei Musterfarben anpassen lassen.

Wer sich anmelden möchte, kann das unter dem oben genannten Link zum Museum Oederan gerne tun.

Bandwebmuster in drei Farben

Vor Jahren hatte ich mich schon einmal an der Baltischen Technik mit zwei Musterfarben versucht und das Ganze wieder weggelegt, da mir das Abbinden der Musterfäden auf der Rückseite nicht richtig gelingen wollte. Diesen Herbst gab es dazu eine Diskussion auf Ravelry, vielen Dank an Brettchenweberin, die meine Neugier auf diese Technik wieder geweckt hat!

Eine Baltische Technik ist das eigentlich gar nicht. Aus dem Baltikum sind mir keine Textilien mit dieser Technik bekannt, im Internet habe ich nichts gefunden, weder Bilder noch Beschreibungen. In Südamerika webt man allerdings breit gemusterte Mantas damit und diese Mustertechnik scheint dort schon einige Jahrzehnte in Gebrauch zu sein. In Peru heißt sie Ley (oder ligui) pallay de tres colores. Die folgenden Bilder zeigen einen Gürtel aus der Sammlung des ILCA (Instituto de la Lengua y Cultura Aymara) in Bolivien.

Die südamerikanischen Weberinnen haben es sogar geschafft, durch geschickte Musterentwürfe ein nahezu doppelseitiges Muster zu erzielen, so wie auf dieser kleinen Manta aus Bolivien:

Gewebt wird diese Technik ähnlich den baltischen oder ostpreußischen Bandwebmustern. Es kommt aber hinzu, daß regelmäßig Bindepunkte gesetzt werden müssen, um die gerade nicht verwendete Musterfarbe am zu langen Flottieren auf der Rückseite zu hindern und auch, um durch das regelmäßige Abbinden der Musterkette eine ungleiche Spannung der Kettfäden zu verhindern.

Diese Bindepunkte sind unter den Flottierungen der Musterfäden verborgen oder werden, wo das nicht geht, durch die Handhabung der Musterfäden beim Weben etwas versteckt.

Für interessierte Weberinnen habe ich eine Beschreibung dieser Technik gemacht, die zwei verschiedene Möglichkeiten, diese Bindepunkte zu setzen, behandelt. Sie kann unter dem Menüpunkt „Südamerikanische Webtechniken“ oder hier heruntergeladen werden.