Vier Musterfarben – Schritt für Schritt

Wie im vorigen Post schon angekündigt, habe ich die einzelnen Schritte zum Weben der vierfarbigen Muster fotografiert und mit einer Kurzbeschreibung versehen.

Welche Schritte nötig sind, um die Kette aufzuteilen und den einzelnen Schäften / Litzenstäben zuzuordnen, steht hier: vier Musterfarben Einzug und Kette aufteilen

Die ganze „Bildergeschichte“, für deren Verständnis und zum Nachmachen gute Kenntnisse im warp-faced double weave notwendig sind:

Baltische Technik vierfarbig PDF

Für ein Video ist es zur Zeit drin zu dunkel, das muß ich später einmal draußen aufnehmen, wenn das Wetter es zulässt.

 

Baltische Technik mit vier Musterfarben

Das hat mir einige schlaflose Nächte bereitet. Nachdem ich herausbekommen hatte, wie man in der baltischen Technik (baltic pickup, ley pallay) das Muster auf beide Seiten bekommt (Doppelseitige Baltische Technik in drei Farben), wollte ich wissen, ob da noch mehr geht. Dazu mußte ich mir wieder ins Gedächtnis rufen, wie bei einer Reselektionstechnik mit mehr als drei Farben das Unterfach im Doppelgewebe durch Aufnehmen der nicht benötigten Musterfäden im Gegenfach gebildet wird. Das ist etwas Mathematik, Boolesche Algebra, schön, daß man mal anwenden kann, wobei man sich früher gelangweilt hat.

Muster Vorder- und Rückseite

Das Bild oben zeigt Vorder- und Rückseite eines Knotenmusters mit 27 Musterfäden in dieser Technik. Am Anfang verdrehten sich auf der Unterseite immer die Musterfäden miteinander, weswegen ich diese Fäden hinter den Schäften der Reihe nach auf eine coil rod gewickelt habe. Angenehmer Nebeneffekt davon ist, sollte es einmal Schwierigkeiten mit zu wenig Spannung der Musterfäden geben, kann man diese über die coil rod einfach etwas fester ziehen. Beim Einlesen des Gegenfachs muß man trotzdem aufpassen, daß man die Fäden immer in der gleichen Abfolge aufnimmt oder herunterdrückt, um Verdrehungen zu vermeiden.

Das Weben dieser Muster braucht Zeit und viel Geduld. Zuerst öffnet man das Fach mit den Grundmusterfäden (background), das gerade dran ist. Dann bringt man Farbe für Farbe an ihren Platz, indem man den Litzenstab mit den Fäden einer Farbe hebt und zu den Grundmusterfäden die Farbfäden an die dem Muster entsprechenden Stellen addiert. Das macht man mit allen Farben, die Stellen ohne Musterfaden bleiben frei, hier ist später der Schuß zu sehen. Damit hat man erst einmal das Oberfach und kann den Schußfaden einlegen. Das Einlesen des Gegenfachs, um die Unterseite weben zu können, erfolgt ähnlich wie bei der baltischen Technik mit zwei Musterfarben, nur daß man hier vorher für sich festlegen muß, welche Farbe komplementär zur obenliegenden sein soll, da man dafür die drei anderen Farben zur Auswahl hat. Diese Farbe erscheint dann im Muster auf der Rückseite. Die nicht benötigten Farben flottieren im Inneren des Gewebes. Bei meinem Beispiel sind die Komplementärpaare gelb-grün sowie rot-blau, insgesamt 12 Kombinationen sind für einen Punkt im Muster möglich.

Im folgenden Bild ist die gesamte Kette zu sehen.

gesamte Kette vorn -Anmerkungen

In nächster Zeit werde ich noch eine Bilderserie machen, die die einzelnen Schritte der Musterbildung erläutert, vielleicht auch ein Video dazu, falls mir das gelingt.

30.12.19

Als kleiner Nachtrag noch ein Bild dazu, wie die Kette aufgebaut ist:

In dieser Anleitung (hier) ist am Beispiel einer Kette mit 5 Musterfäden erläutert, wie man die Schäfte aufteilt und die Farbfäden auf der coil rod anordnet.

Spinnkurs

Handspinnen wirkt etwas wie aus der Zeit gefallen. Dafür gibt es doch schon lange Maschinen, oder?

Manchmal braucht man aber ein spezielles Garn, was es nicht zu kaufen gibt, sei es wegen der Farbe, des Materials oder seiner mechanischen Eigenschaften. Bei den Wollgarnen zum Weben mit dem backstrap loom ist es vor allem die Festigkeit, Elastizität und glatte Oberfläche, die gewöhnliches Strickgarn und auch viele Webgarne nicht haben.

Korb mit Spindeln Kopie

Spinn-Anfänger und sehr gern auch Leute, die die Grundlagen des Handspinnens schon beherrschen und jetzt das Garn für ein spezielles Projekt herstellen wollen, sind eingeladen, am 07. und 08. März 2020 meinen Spinnkurs im Museum Oederan zu besuchen.

Flyer Spinnkurs

Anmeldung Kurse 2020

Hier noch einige Informationen zum Kurs:

Am ersten Tag beschäftigen wir uns zunächst mit den Fasern und ihren Eigenschaften. Da die meisten Spinnanfänger mit Schafwolle beginnen, liegt der Schwerpunkt dieses Kursabschnitts auf deren Aufbereitung zum Spinnen und den verschiedenen Grundtypen der Schafwolle, die wesentliche Eigenschaften des fertigen Garnes bestimmen.  Dann geht es gleich an die Praxis, die Teilnehmer lernen den Umgang mit Handspindel und/oder Spinnrad und spinnen ihr erstes eigenes Garn. Kursteilnehmer mit Vorkenntnissen im Handspinnen können an diesem Tag zu ihren individuellen Fragen und Lernwünschen unterstützt werden, ein Austausch per E-Mail dazu vor dem Kurs wäre gut, damit entsprechende Materialien und Werkzeuge vorhanden sind.

Der zweite Tag dient der Festigung der vorher erlernten handwerklichen Fähigkeiten und es werden Kenntnisse über die gezielte Beeinflussung der Garneigenschaften durch Materialauswahl, Faservorbereitung und Spinntechnik vermittelt. Diese Dinge können nach dem theoretischen Teil in der Praxis ausprobiert werden.

Eigene funktionsfähige Spinnräder oder Handspindeln können gern mitgebracht werden. Verschiedene Sorten Wolle zum Üben sind vorhanden, der Materialverbrauch wird am Ende des Kurses individuell abgerechnet.

 

Webkurs Baltische Bänder

Blumen und Flechtmuster Kopie

Wie ich vor einiger Zeit in diesem Post schon angekündigt hatte, findet Ende Januar im Museum Oederan ein Kurs zum Weben in der Baltischen Technik statt. Damit das Ganze am Anfang nicht so schwierig ist, beginnen wir mit nur wenigen Musterfäden und weben ein Band mit Mustern aus dem früheren Ostpreussen. Die Kursteilnehmer erhalten Mustervorlagen, aus denen sie ihr erstes Webmuster auswählen können.

Flyer Baltische Bänder

Da der Kurs über zwei Tage geht, ist genügend Zeit, auch über andere Ausführungen dieser Technik zu sprechen, zum Beispiel, wie man die Muster auf dem Inkle Loom webt oder bei breiteren Geweben mit Schnurlitzen oder Schäften auf dem Webstuhl arbeitet.

Anmelden kann man sich im Museum „Die Weberei“ in Oederan mit diesem Formular: Anmeldung Kurse 2020

Einen Übersicht über die weiteren vom Museum angebotenen Kurse gibt es hier:       Kurse 2020

Ein Besuch im Museum in Oederan lohnt sich auf jeden Fall auch einfach mal so, vor allem mit Kindern, für die es auch spezielle Angebote gibt. Viele der ausgestellten Webstühle sind voll funktionsfähig und nach Absprache und einem kleinen Obolus können einige bei entsprechenden Vorkenntnissen auch für eigene Projekte genutzt werden.

Wenn man mit der Baltischen Technik nicht nur Bänder und Gürtel weben möchte, kann man sie auch gut in breitere Webstücke integrieren. Ich webe damit gerade einen Schal aus Alpakawolle mit einem Motiv aus den Anden, es heißt „Ch’aska“, Quechua für Venus bzw. den Morgen- oder Abendstern.

Schal blau

Für den Schal habe ich gekaufte Alpaka-Strickwolle (blau, 400m/100g) stark nachgezwirnt, da sich sonst die weiche Strickwolle beim Weben von Kettrips  auflöst. Die Farbtöne für den Musterbereich sind natürliche Farben der Alpakas und in der Stärke passend zur blauen Wolle handgesponnen. Der Schußfaden ist aus weicher Wolle zum Stricken, damit der Schal sich nach dem Weben nicht so stark verzieht und das Gewebe außerdem nicht bretthart wird. Ravelry-Nutzer können hier noch einige Details zum Projekt erfahren.

Das Weben von Alpakawolle auf dem backstrap loom ist nicht ganz einfach, da die Wolle haarig ist und die Kettfäden durch die hohe Fadendichte aneinander hängen bleiben. Deswegen habe ich -im Gegensatz zu einem reinen Kettrips- die Fäden beim Anweben mit Hilfe der Kreuzstäbe ein wenig auf Abstand gesetzt, beim genauen Hinsehen scheint der Schußfaden in den blauen Bereichen etwas durch. In der englischsprachigen Literatur bezeichnet man das als „warp-predominant“. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob das bei traditionellen Kettrips-Textilien aus den Anden ein Zeichen minderer Qualität ist oder nicht. Es erleichtert auf jeden Fall den Fachwechsel sehr und wird von den Webern in Peru auch für Webstücke zum Eigengebrauch angewendet, nicht nur für schnell und billig hergestellte Sachen zum Verkauf an Touristen. Die weniger dichte Lage der Kettfäden mindert die Steifigkeit des Gewebes, die zwar bei einer Tasche oder einem Tragetuch durchaus erwünscht sein kann, bei einem Schal aber nicht. Meiner Meinung nach kommt es darauf an, wofür das Webstück später verwendet werden soll.

 

Knotenmuster in drei Techniken

Zur Zeit gefällt mir das Weben der Muster in Baltischer Technik besonders gut, so daß ich noch ein weiteres Band aus Leinen und Wolle angefangen habe.

 

 

Beim Weben kam mir der Gedanke, ob es möglich ist, dieses Muster auch in der sehr ähnlich aussehenden Amapola-Technik, die sich von den baltischen Mustern herleitet,  doppelseitig zu weben. Dazu habe ich das Muster im Loom Pattern Editor (hier) als einseitiges Muster gezeichnet, um zu sehen, ob da überhaupt etwas vernünftiges herauskommt. Und ja, es funktioniert!

 

 

Mir fiel da noch etwas ein….

Vor einiger Zeit habe ich im Internet ein Buch gefunden, was die traditionelle Weberei in den Provinzen Canchis und Melgar in Peru beschreibt. Es heißt „La memoria del tejido: Arte textil e identidad cultural de las provincias de Canchis (Cusco) y Melgar (Puno)“, ist von 2017, die Autorin ist María Elena del Solar. Dort fand ich einen Hinweis, daß es die Baltische Technik doppelseitig in drei Farben, d.h. zwei Musterfarben und eine Grundfarbe, geben soll. Diese Technik ist nicht die Amapola-Technik! Aus Peru habe ich so ein Gewebe noch nie gesehen und in der Fachliteratur auch nichts darüber gefunden. Sollte die Autorin etwas verwechselt haben oder den befragten Weber falsch verstanden? 

„Web-Kommissar“ Bloodhound war auf der Spur!

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Wie sollte denn das funktionieren, daß das Grundgewebe auf beiden Seiten gleich ist und nur das Muster in der jeweils entgegengesetzten Farbe erscheint? Irgendwann machte es Klick, natürlich, so etwas geht nur mit Doppelgewebe! Da ich die sogenannte Reselektions-Technik im Doppelgewebe vor einiger Zeit schon für die vierfarbigen Komplementärgewebe (siehe Post Mehrfarbig…„) gelernt hatte, probierte ich es so aus. Genau das war es! Eine Beschreibung der Technik findet man oben im Abschnitt „Südamerikanische Webtechniken„.

Hier sieht man das Knotenmuster, Vorder- und Rückseite, in drei Farben doppelseitig.

 

 

Dazu die gesamte Kette mit den für das Weben notwendigen drei Litzenstäben und einem Kreuzstab für den vierten Schaft.

Das Muster muß pro Reihe zweimal eingelesen werden, einmal für die Oberseite und ein zweites Mal im Gegenfach für die Bildung des Unterfachs, um die Rückseite weben zu können. Das dauert ziemlich lange.

Ich würde mich freuen, wenn es jemand gibt, der nach der Anleitung diese Technik ausprobiert; natürlich auch über ein Bild des Ergebnisses!

 

Färben mit Kermesbeeren

Die Indische Kermesbeere (Phytolacca acinosa) enthält wie der Amarant einen Betalain-Farbstoff. Also habe ich versucht, Wolle in einem mit Essigessenz angesäuerten Farbbad auf dieselbe Art wie mit Amarant zu färben. Dazu wurden die gesamten Fruchtstände mit Stielen in einem 10-l-Topf zerdrückt (der Boden war ca. fingerhoch bedeckt) und mit 5 l Wasser und 200g Essigessenz 25% aufgegossen. Die Wolle (Sockenwolle, superwash) kam ohne Vorbeize, lediglich angefeuchtet, mit den Pflanzenteilen 2 Tage ins Farbbad. Nachdem sich der Farbton nicht mehr änderte, habe ich die Wolle herausgenommen. Das Farbbad enthielt noch viel Farbstoff, so daß ich einen weiteren Versuch mit 100 g Corriedale-Kammzug machen konnte. Dafür wurden die Pflanzenteile abgeseiht und die 1 Stunde lang in einem 2,5%-igen Essig vorgebeizte Wolle kam wieder für 2 Tage in das Farbbad.

Färbung Kermesbeere

Im Bild oben sieht man die sehr unterschiedlichen Farbtöne, die der erste und zweite Zug ergeben haben.

Starkes Sonnenlicht mögen diese Färbungen überhaupt nicht.

Lichtechtheit Amarant und Kermesbeere

Die Lichtechtheitsprobe erfolgte an einem sonnigen Tag (UV-Index 4 bis 6) für 10 Stunden in voller Sonne. In den Proben im Bild oben sieht man jeweils links die der Sonne ausgesetzte Hälfte der Probe. Oben und links unten sind die Färbungen mit der Kermesbeere, rechts unten die mit Amarant. Die Farben verblassen deutlich, wenn sie dem Licht ausgesetzt werden, die Amarantfärbung bekommt zusätzlich einen Braunton, was aber auch daran liegen kann, daß sich der Farbstoff in der sommerlichen Wärme zersetzt hat.

Hier noch einmal im Vergleich die Färbungen mit Amarant (oben) und Kermesbeere:

Färbung Amarant und Kermesbeere

Da man diese Farbtöne mit entsprechender Einstellung des pH-Wertes und verschiedenen Vorbeizen auch mit Cochenille färben kann, die besser lichtecht ist, war das hier für mich lediglich ein interessantes Experiment. Wolle zum Weben, wo man viel Zeit hineinsteckt, sollte die Farben im Gebrauch schon einige Zeit halten können.

Färben mit Amarant

Im Garten wächst derzeit eine Menge Roter Amarant (Rispenamarant, Amaranthus cruentus x powellii), der zum Färben geeignet ist. 

Roter Amaranth

Amarant enthält Amaranthin, einen purpurfarbenen Betalain-Farbstoff, verwandt mit dem in der Roten Bete. Der Farbstoff löst sich in kaltem, mit Essig angesäuertem Wasser gut aus den Pflanzenteilen. Leider ist diese Farbe nur wenig lichtecht.

Der Farbstoff des Amarants zersetzt sich bei höheren Temperaturen, Wolle muß man daher kalt färben. Dafür werden die Pflanzen klein geschnitten, für 100 g Wolle habe ich 2 große Pflanzen genommen, und in 5 l Wasser und 250 g 25%iger Essigessenz angesetzt. Eine Vorbeize der Wolle ist nicht notwendig. Die Wolle (Sockenwolle, superwash) habe ich gleich mit in den Topf gelegt, die Pflanzenreste lassen sich nach dem Färben gut ausschütteln.

Amaranthfärbung

Danach heißt es Geduld haben, der Topf stand 5 Tage lang bei Raumtemperatur, bis sich der Farbton auf der Wolle nicht mehr geändert hat. Die Wolle wurde täglich gewendet, nach dem Färben gut gespült und im letzen Spülbad mit Essig abgesäuert.

Eine Lichtechtheitsprobe werde ich noch machen, mal sehen, wie lange das schöne Pink so bleibt.

Die Kermesbeere im Garten ist auch fast reif, sie enthält ebenfalls einen Farbstoff aus der Betalain-Gruppe und ist der nächste Kandidat für einen Färbeversuch dieser Art.

Kermesbeere

Webtechniken

Dem Blog habe ich heute einen neuen Unterpunkt „Südamerikanische Webtechniken“ hinzugefügt.

Hier möchte ich nach und nach Techniken vorstellen, die mir besonders aufgefallen sind oder über die noch nichts, vor allem nichts deutschsprachiges,  veröffentlicht ist. Die Beschreibungen sind aus der Sicht einer Praktikerin und haben keinen wissenschaftlichen Anspruch.

Für konstruktive sachliche Hinweise zu Fehlern in meinen Texten oder für weitere Informationen zu den beschriebenen Techniken bin ich sehr dankbar.

Baltische Bänder crossover

Nachdem sich Anfang des Jahres nur sehr wenige Teilnehmer zum Weben mit dem backstrap loom eingefunden hatten und der geplante Spinnkurs mangels Nachfrage ausfiel, wollte ich eigentlich keine Webkurse mehr anbieten. Sachen, die etwas länger dauern, sowohl zu lernen als auch dann auszuführen, widersprechen scheinbar dem Zeitgeist und sind nicht von großem Interesse.

Nun ist doch noch ein Kurs zum Thema Baltische Bänder geplant, er findet Ende Januar im Museum „Die Weberei“ in Oederan statt.

Da ich die Einlesemuster schon vor längerem gelernt habe und nicht mehr viele Bänder davon vorhanden waren,  musste ich jetzt also ein paar neue machen. Hier einige aus Baumwoll-Häkelgarn mit Mustern aus Südamerika und Europa:

Baltic pickup bands

Traditionell sind die Bänder aus Leinen für die Ränder und den Hintergrund sowie aus  Wolle für die Musterfäden. Rote Wolle 30/2 hatte ich noch da und diese doppelt genommen (verzwirnt) als Musterfaden auf einer Leinenkette Nm 30/3 verwendet. Das Muster besteht aus einer (Kartoffel-)Blüte aus Peru und einem europäischen Flechtmuster.

Flowers and Plaits in progress

Wolle und Leinen verhaken sich gern miteinander, deshalb hält eine coil rod (oberes Bildende) die Kettfäden auseinander. Die Astgabel ist ein etwas rustikaler Ersatz für die Kreuzstäbe und soll nur zeigen, daß man auch ohne Kamm oder Inkle Loom, mit Stöckchen vom nächsten Strauch,  solche Bänder weben kann.

Das Probeband für das Leinen- und Wollgarn verziert jetzt einen Werkzeugbeutel.

Toolbag

An den baltischen Mustern liebe ich, daß es durch die regelmäßig zwischen den Musterfäden erscheinenden Fäden des Grundgewebes gut ersichtlich ist, wo es in der nächsten Reihe mit dem Muster weitergeht und man sich wiederholende Abschnitte gut von den schon gewebten ablesen kann und nicht immer auf die Vorlage sehen muß.

Das funktioniert auch bei der dreifarbigen litauischen Technik und so geht es mit diesem Gürtel gegenüber einem mit nur Komplementärmustern flott voran.

Belt Chili

Das was nicht so schnell geht und wo ich erst einmal eine halbe Stunde weben muß, um in einen Rhythmus zu kommen, hebe ich mir für den nächsten Winter auf. Die Kette ist 40 cm breit und besteht aus doppelt genommener Wolle Nm30/2. Diese dünnen Fäden beim Fachwechsel nicht zu zerreißen ist eine Herausforderung, aber mit Geduld funktioniert es.

Rot und Schwarz Anfang bearbeitet Kopie

 

 

For Eyes Only – oder sind die Augenmuster doch nicht so ein Geheimnis?

 

Im Backstrapweaving-Forum fragte vorige Woche eine Teilnehmerin nach dem Chichilla-Muster.

Das ist eine Form der Augenmuster – ähnlich ñawi awapa – die in der traditionellen Weberei Südamerikas für Gewebekanten oder Schnuren benutzt werden.

Chichilla Nilda

Bildquelle: „Secrets of Spinning, Weaving and Knitting in the Peruvian Highlands“; Nilda Callañaupa Alvarez; Fotos von Diana Hendrickson

Ich kannte das Muster zwar aus Nildas Buch und hatte schon einmal daran gedacht es zu weben, es war aber nichts, was ich unbedingt gleich ausprobieren mußte. Das sollte sich ganz schnell ändern.

Laverne meinte auf die Frage im Forum, daß sie dieses Muster vielleicht später einmal veröffentlichen will  und es in manchen ihrer Workshops lehrt. Allerdings nur an Leute, „die dazu schon bereit sind“.

Diese Aussage weckte meinen inneren Bloodhound!  Ich hatte früher in der Schule schon immer ein Problem mit Lehrern, die meinten: „Das verstehst du noch nicht! / Dazu bist du noch zu klein! / Das lernst du irgendwann später!“ usw . Hörte ich so etwas, dann stürzte ich mich auf die Bücher wie der Bluthund auf die Fährte und wollte es erst recht wissen.

 

 

 

Das Ergebnis diesmal:

Chichilla

 

Die Sache hat eine kleine Vorgeschichte:

Anfang 2016 hatte ich bei ClothRoads einen Artikel über das ñawi-awapa Muster gelesen, es gefiel mir, aber ich fand keine Anleitung.

Spindle bag 2 Kopie

Bild: Ñawi awapa als Gewebekante an einer Tasche

Die Bücher von Adele Cahlander hatte ich damals noch nicht. Glücklicherweise war im Internet-Artikel der Einzug auf den Kreuzstäben abgebildet. Da ich von Bildern archäologischer Funde aus Peru wußte, daß manche Gewebe mit versetzten Kettfäden hergestellt wurden, kam mir der Gedanke, daß es hier genauso funktionieren mußte, da sich rein aus dem Einzug das Muster nicht ergeben konnte. Nach etwa einer Woche probieren hatte ich es heraus, das Ergebnis war dann auch gleich eine Anleitung auf deutsch, die aber bis heute nicht veröffentlicht ist und nur für ein paar Freunde gedacht war. Als Nilda Callañaupa Alvarez 2017 in ihrem Buch „Secrets of Spinnig, Weaving and Knitting in the Peruvian Highlands“ die Anleitung auf Englisch publizierte, konnte ich vergleichen, ob ich richtig lag. Bis auf kleine Details, die aber am Ergebnis nichts änderten, hatte ich es tatsächlich geschafft.

Natürlich werde ich Laverne hier nicht in den Rücken fallen und eine Anleitung für Chichilla posten. Aber einige Hinweise geben, wie jeder selbst solche Dinge analysieren kann, wenn keine Anleitung veröffentlicht ist.

Am Anfang versuche ich immer, soviel wie möglich Informationen über das Muster zu sammeln, also vor allem gut aufgelöste Fotos des Musters und wenn möglich, des Einzuges und von Zwischenstadien beim Weben, z.B. welche Fäden gerade auf dem Webschwert sind; ob und wie viele verschiedene Litzenbündel benutzt werden. Dann sehe ich mir das Muster an und bestimme die verwendeten Fadenpaare und ihre Farben pro Reihe. Dabei achte ich darauf, welche Fäden im nächsten Fach abbinden und welche flottieren. Bei den Augenmustern ist es wichtig, zu sehen in welcher Richtung die Fäden einer Farbe / eines Fadenpaares im nächsten Fach verlaufen, sofern sie dabei abbinden. Das kann bestimmen, ob der Fachwechsel eines Fadenpaares links oder rechts vom Faden des vorhergehenden Faches erfolgt und hier vielleicht ein Dreher gemacht werden muß, wenn der Einzug diese Richtung nicht schon vorgibt.

Das Auseinander- und Zusammengehen der Augen kann sich nicht nur durch den Verlauf der Außenlinien sondern auch aus dem Einfügen von zusätzlichen Fäden zwischen die äußeren (flottierenden) Begrenzungsfäden des Auges ergeben, zum Beispiel durch das Hinzufügen der Fäden des Mittelpunktes, die sonst unsichtbar im inneren des Gewebes verlaufen. Die Gewebekanten mit Augenmuster sind so angelegt, daß der Schußfaden nur von einer Seite eingelegt wird, sich also ein schlauchförmiges Band um die Kante herum ergibt, in dem nicht benutzte Fäden verborgen sind.

Wenn ich alle o.g. Informationen gesammelt, das Muster reihenweise als farbige Kästchen aufgezeichnet habe und keine Kenntnisse über den verwendeten Einzug vorhanden sind, versuche ich, die Fadenpaare von links nach rechts entsprechend ihren Farben und ihrem Auftauchen im Gewebe auf zwei Kreuzstäben anzuordnen (geht ganz gut in Excel). Dann sehe ich mir die Reihen des Musters an. Dabei wird auffallen, daß pro Reihe manche Farben benutzt werden, manche nicht. Dann vergleiche ich das wieder mit dem Einzug auf den Kreuzstäben und kann bei dem am besten dazu passenden Kreuzstab sehen, welcher Faden benutzt und welcher in Innere verlegt wird, ob ein Dreher nötig ist und ob Fäden z.B in die Mitte eines Auges  versetzt werden müssen. Das mache ich dann Reihe für Reihe im Muster, im besten Fall ergibt sich ein sauberer Einzug ohne Dreher für vier Litzenbündel wie bei Chichilla oder eine etwas komplexere Anleitung mit Drehern und Fadenversatz von Hand wie bei ñawi awapa.