Baltische Technik mit vier Musterfarben

Das hat mir einige schlaflose Nächte bereitet. Nachdem ich herausbekommen hatte, wie man in der baltischen Technik (baltic pickup, ley pallay) das Muster auf beide Seiten bekommt (Doppelseitige Baltische Technik in drei Farben), wollte ich wissen, ob da noch mehr geht. Dazu mußte ich mir wieder ins Gedächtnis rufen, wie bei einer Reselektionstechnik mit mehr als drei Farben das Unterfach im Doppelgewebe durch Aufnehmen der nicht benötigten Musterfäden im Gegenfach gebildet wird. Das ist etwas Mathematik, Boolesche Algebra, schön, daß man mal anwenden kann, wobei man sich früher gelangweilt hat.

Muster Vorder- und Rückseite

Das Bild oben zeigt Vorder- und Rückseite eines Knotenmusters mit 27 Musterfäden in dieser Technik. Am Anfang verdrehten sich auf der Unterseite immer die Musterfäden miteinander, weswegen ich diese Fäden hinter den Schäften der Reihe nach auf eine coil rod gewickelt habe. Angenehmer Nebeneffekt davon ist, sollte es einmal Schwierigkeiten mit zu wenig Spannung der Musterfäden geben, kann man diese über die coil rod einfach etwas fester ziehen. Beim Einlesen des Gegenfachs muß man trotzdem aufpassen, daß man die Fäden immer in der gleichen Abfolge aufnimmt oder herunterdrückt, um Verdrehungen zu vermeiden.

Das Weben dieser Muster braucht Zeit und viel Geduld. Zuerst öffnet man das Fach mit den Grundmusterfäden (background), das gerade dran ist. Dann bringt man Farbe für Farbe an ihren Platz, indem man den Litzenstab mit den Fäden einer Farbe hebt und zu den Grundmusterfäden die Farbfäden an die dem Muster entsprechenden Stellen addiert. Das macht man mit allen Farben, die Stellen ohne Musterfaden bleiben frei, hier ist später der Schuß zu sehen. Damit hat man erst einmal das Oberfach und kann den Schußfaden einlegen. Das Einlesen des Gegenfachs, um die Unterseite weben zu können, erfolgt ähnlich wie bei der baltischen Technik mit zwei Musterfarben, nur daß man hier vorher für sich festlegen muß, welche Farbe komplementär zur obenliegenden sein soll, da man dafür die drei anderen Farben zur Auswahl hat. Diese Farbe erscheint dann im Muster auf der Rückseite. Die nicht benötigten Farben flottieren im Inneren des Gewebes. Bei meinem Beispiel sind die Komplementärpaare gelb-grün sowie rot-blau, insgesamt 12 Kombinationen sind für einen Punkt im Muster möglich.

Im folgenden Bild ist die gesamte Kette zu sehen.

gesamte Kette vorn -Anmerkungen

In nächster Zeit werde ich noch eine Bilderserie machen, die die einzelnen Schritte der Musterbildung erläutert, vielleicht auch ein Video dazu, falls mir das gelingt.

30.12.19

Als kleiner Nachtrag noch ein Bild dazu, wie die Kette aufgebaut ist:

In dieser Anleitung (hier) ist am Beispiel einer Kette mit 5 Musterfäden erläutert, wie man die Schäfte aufteilt und die Farbfäden auf der coil rod anordnet.

Webkurs Baltische Bänder

Blumen und Flechtmuster Kopie

Wie ich vor einiger Zeit in diesem Post schon angekündigt hatte, findet Ende Januar im Museum Oederan ein Kurs zum Weben in der Baltischen Technik statt. Damit das Ganze am Anfang nicht so schwierig ist, beginnen wir mit nur wenigen Musterfäden und weben ein Band mit Mustern aus dem früheren Ostpreussen. Die Kursteilnehmer erhalten Mustervorlagen, aus denen sie ihr erstes Webmuster auswählen können.

Flyer Baltische Bänder

Da der Kurs über zwei Tage geht, ist genügend Zeit, auch über andere Ausführungen dieser Technik zu sprechen, zum Beispiel, wie man die Muster auf dem Inkle Loom webt oder bei breiteren Geweben mit Schnurlitzen oder Schäften auf dem Webstuhl arbeitet.

Anmelden kann man sich im Museum „Die Weberei“ in Oederan mit diesem Formular: Anmeldung Kurse 2020

Einen Übersicht über die weiteren vom Museum angebotenen Kurse gibt es hier:       Kurse 2020

Ein Besuch im Museum in Oederan lohnt sich auf jeden Fall auch einfach mal so, vor allem mit Kindern, für die es auch spezielle Angebote gibt. Viele der ausgestellten Webstühle sind voll funktionsfähig und nach Absprache und einem kleinen Obolus können einige bei entsprechenden Vorkenntnissen auch für eigene Projekte genutzt werden.

Wenn man mit der Baltischen Technik nicht nur Bänder und Gürtel weben möchte, kann man sie auch gut in breitere Webstücke integrieren. Ich webe damit gerade einen Schal aus Alpakawolle mit einem Motiv aus den Anden, es heißt „Ch’aska“, Quechua für Venus bzw. den Morgen- oder Abendstern.

Schal blau

Für den Schal habe ich gekaufte Alpaka-Strickwolle (blau, 400m/100g) stark nachgezwirnt, da sich sonst die weiche Strickwolle beim Weben von Kettrips  auflöst. Die Farbtöne für den Musterbereich sind natürliche Farben der Alpakas und in der Stärke passend zur blauen Wolle handgesponnen. Der Schußfaden ist aus weicher Wolle zum Stricken, damit der Schal sich nach dem Weben nicht so stark verzieht und das Gewebe außerdem nicht bretthart wird. Ravelry-Nutzer können hier noch einige Details zum Projekt erfahren.

Das Weben von Alpakawolle auf dem backstrap loom ist nicht ganz einfach, da die Wolle haarig ist und die Kettfäden durch die hohe Fadendichte aneinander hängen bleiben. Deswegen habe ich -im Gegensatz zu einem reinen Kettrips- die Fäden beim Anweben mit Hilfe der Kreuzstäbe ein wenig auf Abstand gesetzt, beim genauen Hinsehen scheint der Schußfaden in den blauen Bereichen etwas durch. In der englischsprachigen Literatur bezeichnet man das als „warp-predominant“. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob das bei traditionellen Kettrips-Textilien aus den Anden ein Zeichen minderer Qualität ist oder nicht. Es erleichtert auf jeden Fall den Fachwechsel sehr und wird von den Webern in Peru auch für Webstücke zum Eigengebrauch angewendet, nicht nur für schnell und billig hergestellte Sachen zum Verkauf an Touristen. Die weniger dichte Lage der Kettfäden mindert die Steifigkeit des Gewebes, die zwar bei einer Tasche oder einem Tragetuch durchaus erwünscht sein kann, bei einem Schal aber nicht. Meiner Meinung nach kommt es darauf an, wofür das Webstück später verwendet werden soll.

 

Knotenmuster in drei Techniken

Zur Zeit gefällt mir das Weben der Muster in Baltischer Technik besonders gut, so daß ich noch ein weiteres Band aus Leinen und Wolle angefangen habe.

 

 

Beim Weben kam mir der Gedanke, ob es möglich ist, dieses Muster auch in der sehr ähnlich aussehenden Amapola-Technik, die sich von den baltischen Mustern herleitet,  doppelseitig zu weben. Dazu habe ich das Muster im Loom Pattern Editor (hier) als einseitiges Muster gezeichnet, um zu sehen, ob da überhaupt etwas vernünftiges herauskommt. Und ja, es funktioniert!

 

 

Mir fiel da noch etwas ein….

Vor einiger Zeit habe ich im Internet ein Buch gefunden, was die traditionelle Weberei in den Provinzen Canchis und Melgar in Peru beschreibt. Es heißt „La memoria del tejido: Arte textil e identidad cultural de las provincias de Canchis (Cusco) y Melgar (Puno)“, ist von 2017, die Autorin ist María Elena del Solar. Dort fand ich einen Hinweis, daß es die Baltische Technik doppelseitig in drei Farben, d.h. zwei Musterfarben und eine Grundfarbe, geben soll. Diese Technik ist nicht die Amapola-Technik! Aus Peru habe ich so ein Gewebe noch nie gesehen und in der Fachliteratur auch nichts darüber gefunden. Sollte die Autorin etwas verwechselt haben oder den befragten Weber falsch verstanden? 

„Web-Kommissar“ Bloodhound war auf der Spur!

BloodhoundTrackingLeft_Big

Wie sollte denn das funktionieren, daß das Grundgewebe auf beiden Seiten gleich ist und nur das Muster in der jeweils entgegengesetzten Farbe erscheint? Irgendwann machte es Klick, natürlich, so etwas geht nur mit Doppelgewebe! Da ich die sogenannte Reselektions-Technik im Doppelgewebe vor einiger Zeit schon für die vierfarbigen Komplementärgewebe (siehe Post Mehrfarbig…„) gelernt hatte, probierte ich es so aus. Genau das war es! Eine Beschreibung der Technik findet man oben im Abschnitt „Südamerikanische Webtechniken„.

Hier sieht man das Knotenmuster, Vorder- und Rückseite, in drei Farben doppelseitig.

 

 

Dazu die gesamte Kette mit den für das Weben notwendigen drei Litzenstäben und einem Kreuzstab für den vierten Schaft.

Das Muster muß pro Reihe zweimal eingelesen werden, einmal für die Oberseite und ein zweites Mal im Gegenfach für die Bildung des Unterfachs, um die Rückseite weben zu können. Das dauert ziemlich lange.

Ich würde mich freuen, wenn es jemand gibt, der nach der Anleitung diese Technik ausprobiert; natürlich auch über ein Bild des Ergebnisses!

 

Webtechniken

Dem Blog habe ich heute einen neuen Unterpunkt „Südamerikanische Webtechniken“ hinzugefügt.

Hier möchte ich nach und nach Techniken vorstellen, die mir besonders aufgefallen sind oder über die noch nichts, vor allem nichts deutschsprachiges,  veröffentlicht ist. Die Beschreibungen sind aus der Sicht einer Praktikerin und haben keinen wissenschaftlichen Anspruch.

Für konstruktive sachliche Hinweise zu Fehlern in meinen Texten oder für weitere Informationen zu den beschriebenen Techniken bin ich sehr dankbar.

Baltische Bänder crossover

Nachdem sich Anfang des Jahres nur sehr wenige Teilnehmer zum Weben mit dem backstrap loom eingefunden hatten und der geplante Spinnkurs mangels Nachfrage ausfiel, wollte ich eigentlich keine Webkurse mehr anbieten. Sachen, die etwas länger dauern, sowohl zu lernen als auch dann auszuführen, widersprechen scheinbar dem Zeitgeist und sind nicht von großem Interesse.

Nun ist doch noch ein Kurs zum Thema Baltische Bänder geplant, er findet Ende Januar im Museum „Die Weberei“ in Oederan statt.

Da ich die Einlesemuster schon vor längerem gelernt habe und nicht mehr viele Bänder davon vorhanden waren,  musste ich jetzt also ein paar neue machen. Hier einige aus Baumwoll-Häkelgarn mit Mustern aus Südamerika und Europa:

Baltic pickup bands

Traditionell sind die Bänder aus Leinen für die Ränder und den Hintergrund sowie aus  Wolle für die Musterfäden. Rote Wolle 30/2 hatte ich noch da und diese doppelt genommen (verzwirnt) als Musterfaden auf einer Leinenkette Nm 30/3 verwendet. Das Muster besteht aus einer (Kartoffel-)Blüte aus Peru und einem europäischen Flechtmuster.

Flowers and Plaits in progress

Wolle und Leinen verhaken sich gern miteinander, deshalb hält eine coil rod (oberes Bildende) die Kettfäden auseinander. Die Astgabel ist ein etwas rustikaler Ersatz für die Kreuzstäbe und soll nur zeigen, daß man auch ohne Kamm oder Inkle Loom, mit Stöckchen vom nächsten Strauch,  solche Bänder weben kann.

Das Probeband für das Leinen- und Wollgarn verziert jetzt einen Werkzeugbeutel.

Toolbag

An den baltischen Mustern liebe ich, daß es durch die regelmäßig zwischen den Musterfäden erscheinenden Fäden des Grundgewebes gut ersichtlich ist, wo es in der nächsten Reihe mit dem Muster weitergeht und man sich wiederholende Abschnitte gut von den schon gewebten ablesen kann und nicht immer auf die Vorlage sehen muß.

Das funktioniert auch bei der dreifarbigen litauischen Technik und so geht es mit diesem Gürtel gegenüber einem mit nur Komplementärmustern flott voran.

Belt Chili

Das was nicht so schnell geht und wo ich erst einmal eine halbe Stunde weben muß, um in einen Rhythmus zu kommen, hebe ich mir für den nächsten Winter auf. Die Kette ist 40 cm breit und besteht aus doppelt genommener Wolle Nm30/2. Diese dünnen Fäden beim Fachwechsel nicht zu zerreißen ist eine Herausforderung, aber mit Geduld funktioniert es.

Rot und Schwarz Anfang bearbeitet Kopie

 

 

Bruder Murúas Rätsel

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel von Lynn Meisch im Natural History Magazine. Sie beschrieb Forschungsarbeiten zu einem Webmotiv auf sogenannten Fajas de Sara, das in Peru von der Zeit der Inkas bis jetzt benutzt wird. Erstmalig dokumentiert wurde es im 16. Jahrhundert zur spanischen Kolonialzeit vom Missionar Martín de Murúa, allerdings in einer sehr kryptischen Form. Im Artikel sind die Motive in einem Fundstück aus der Inka-Zeit und in Gürteln aus der heutigen Zeit abgebildet.

Irgendwo hatte ich das schon gesehen. Laverne Waddington hatte 2016 in ihrem Blog eine Weberin aus San Ignacio de Loyola (Peru) abgebildet, die Gürtel mit eben diesem Motiv und vielen Litzenstäben anfertigt.

Also versuchte ich, mit Hilfe des o.g. Artikels und den Fotos darin aus Murúas Zahlen und Buchstaben einen Webbrief zu machen. Das hatte laut Artikel  zwar die Wissenschaftlerin Sophie Desrosiers vor Jahren schon getan, eine Veröffentlichung konnte ich jedoch nicht finden. Das Muster war zunächst völlig verschoben und hatte nur in Ansätzen etwas mit dem auf den Gürteln gemeinsam. Mit einem Hinweis aus Lavernes Blog, daß die Weberin eine Intermesh-Technik benutzt und einer Vergrößerung der Artikelfotos fügte sich dann alles zusammen.

 

Sara Belt Rekonstruktion

Buntes Acrylgarn, wie es in Peru heute benutzt wird,  war schnell beschafft und nachgezwirnt, so daß ich das Muster auf einer kurzen Kette zunächst probehalber ohne die vielen Litzenstäbe von Hand – nur mit den zwei Intermesh-Reihen in Litzen – eingelesen habe. Daraus ist (mal wieder) ein Backstrap entstanden.

Sara Backstrap 1

Frech geworden wollte ich es nun wissen. Also 3 m Kette geschärt und 14 Litzenstäbe angebracht! Mir grauste es ein wenig vor dem Öffnen der Fächer mit den entfernt liegenden Litzenstäben, das geht aber besser wie gedacht.

Sara Belt Kette

 

Das Motiv (Sara – Quechua für Mais) wird von Textilhistorikern als Maiskörner interpretiert, die gerade austreiben und bewässert werden. Die Gürtel mit dem Sara-Motiv wurden bei Feierlichkeiten und religiösen Handlungen der Inkas bei der Aussaat von Mais getragen.

Das nachfolgende kurze Video zeigt das Weben eines solchen Bandes mit 14 Litzenstäben. 

Färbefest 2018

Dieses Jahr fand am 25. August in Neckeroda / Thüringen das 20. Färbefest statt. Das im 13. Jahrhundert gegründete Dorf im Weimarer Land ist von drei Seiten mit einer Wallanlage aus dem 17. Jahrhundert umgeben und wirkt daher sehr in sich geschlossen.  Auf den Straßen im Ortskern und in privaten Höfen wurden handwerklich hergestellte Dinge verkauft, Handwerk vorgeführt und Musik gemacht.

Blick ins Dorf

Viele Eigentümer pflegen und erhalten die alte Bausubstanz.

Fachwerkhaus

Im Ort befindet sich ein Färbezentrum, der hier ansässige Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Färben mit Pflanzen wiederzubeleben und vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Vor der massenhaften Einführung des Indigo aus Kolonien nach Europa war Thüringen ein Zentrum des Anbaus von Färberwaid.

Die Handspinngilde war auch wieder vor Ort, um das alte Handwerk des Spinnens mit Spinnrad und Handspindel vorzuführen.

Handspinngilde Vorfuehrung

Dazu hatte ich noch eine kleine Ausstellung mit pflanzengefärbter Wolle, handgesponnenem Webgarn und einigen auf dem backstrap loom gewebten Sachen  gemacht.

Ausstellung Maja

Da das Wetter nicht schlecht war, bin ich mit der angefangenen Tasche aus Wolle auf dem Gurtwebgerät rausgegangen und habe ein Stück gewebt. Viele Leute waren sehr neugierig und erstaunt, daß man auch ohne großen Aufwand Muster weben kann. Einige wenige hatten diese Technik während einer Reise durch Peru schon gesehen.

Es gab auch Kommentare, bei denen ich mir einen passenden Spruch sehr verkneifen mußte: „Mutti, was macht die Frau?“ „Sie strickt.“ oder „Was für eine Strafarbeit!“ oder „Wenn ich das eine halbe Stunde machen müßte, könnten sie mich in die Klapsmühle bringen!“

Bei vielen überwog dann aber das Entsetzen, wie lange das Weben auf diese Weise dauert. Einige fingen an zu rechnen, was das dann kosten würde.

So ist der Zeitgeist.

 

Festes Garn

Eine kleine Tasche, die seit dem Weberforum in Oederan im Juni angefangen herumlag, ist endlich fertig geworden. Eigentlich webe ich nicht so gern mit einem so dicken Baumwollgarn (Carina von G-B-Wolle), aber ich wollte beim Weberforum einigen Leuten zeigen, wie die doppelseitigen Muster gebildet werden und bei stärkerem Garn  ist gut zu sehen, was man mit den Fäden macht.

kleine Taschekleine Tasche mit Mass

Die Tasche ist ausgehend von beiden Anfangsfäden auf dem backstrap loom gewebt, der in der Mitte übrig gebliebene ungewebte Teil wurde zu den Fransen gedreht. Die Anfangsfäden und die Knoten für die Farbwechsel sind unter dem Einfaßband aus Wolle verborgen. Das Henkelband wurde mit 3 Litzenbündeln und 1 Fachschlinge gewebt.

Das Ganze ist ein Test für eine ähnliche Tasche aus selbst gesponnenem Garn (letztes Bild im vorigen Post), wo ich nichts von der Kette verschwenden möchte.

Webgarn zwirnen

Voriges Jahr war ich mit der Handspinngilde in Neckeroda / Thüringen zum Färbefest. Dafür hatte ich eine ganze Menge Kammzug mit Pflanzenfarben gefärbt und diesen im vorigen Winter gesponnen. Das Spinnen mache ich gerne, das Zwirnen auf dem Spinnrad bei 400 bis 600 m Lauflänge / 100 g nicht so sehr. Ein ewiges Getrampel, trotz Doppeltritt und 1:20 Übersetzung, da das Garn zum Weben von Kettrips sehr fest sein muß.

Webgarn Naturfarben

mit natürlichen Farben gefärbtes Webgarn

 

Also mal sehen, was die Schrottkiste so hergibt, um den Spinnflügel vom Spinnrad anzutreiben. Einen alten Akkuschrauber und einen Halogentrafo mit 12 V. Die Spannung war zu hoch, der Motor lief zu schnell, also 5V-Regler und Kühlkörper dazu – passt. Der Schalter vom Akkuschrauber war auch noch da, schön, damit der Motor nicht so schnell anläuft. Auf den Motor kam eine kleine Riemenscheibe (Rolle für Gardinenschnur), ein Stück Polycord-Antriebsband vom Spinnrad verbindet Motor und Spinnflügel. Die Halter für den Spinnflügel und dieser selbst können mit wenigen Handgriffen auf das Spinnrad zurückgebaut werden.

Die Verdrahtung sieht wild aus, aber es funktioniert gut und es liegen keine Drähte mit gefährlicher Spannung frei.

Gezwirnt werden kann jetzt in der Hälfte der Zeit.

 

Elektrospinner

Elektrospinner aus dem, was gerade da war

Detail Pedal

Pedal mit Schalter vom Akkuschrauber

 

Gewebt sieht das Garn dann so aus, die grünen Flächen haben ein Spinnrichtungsmuster, es wechseln sich hier jeweils 6 x 5 Fadenpaare mit unterschiedlicher Spinn- und Zwirnrichtung ab und erzeugen ein  Muster, was auf den ersten Blick trotz der Leinwandbindung ähnlich wie ein Köper  ausssieht.

Tasche Naturfarben

traditionelle südamerikanische Muster mit handgesponnenem Garn

Material und Anleitungen

Anleitungen möchte ich hier keine veröffentlichen, da es dazu zahlreiche Literatur,  Blogbeiträge und Videos gibt.

Die für mich beste Seite ist die von Laverne Waddington, zwei Bücher von ihr sind ins Deutsche übersetzt worden und sehr zu empfehlen. Ich habe selbst mit Lavernes Anleitungen gelernt und bin ihr sehr dankbar für ihre ausführlichen und anschaulichen e-Books und Videos. Auf Ravelry gibt es eine englischsprachige Gruppe zum Thema.

Wer sich keinen backstrap loom selbst bauen will:  auf Etsy findet man fast alles 😉.

Die Holzteile für das Webgerät auf dem Foto unten habe ich in ca. 2 Stunden angefertigt, es ist nicht schwierig.

Gürtel 86MF Kette

Kette aus Baumwollgarn 10/4 auf einem selbst gebauten Gurtwebgerät

Am Anfang nimmt man am besten glattes festes Baumwollgarn, zum Beispiel Häkelgarn Nr. 10 oder mercerisiertes Baumwollgarn NeB 10/4. Da man meistens Kettrips webt, ist Strickwolle eher nicht geeignet, da die Fäden sehr aneinander hängen und die Fachbildung schwer machen. Garn aus Wolle oder Polyacryl kann man aber auf dem Spinnrad fester zwirnen und dann gut verwenden.

Wolle Ausschnitt

Kette aus fest verzwirnter Wolle